Ärzte Zeitung, 16.02.2012

Uni Köln gesteht Leichen-Chaos

Am anatomischen Institut der Uni Köln ist womöglich geschlampt worden - das gab die Hochschule jetzt zu. Betroffen sind über 100 Körperspender, bei drei Leichen ist die Identität unklar. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall.

Uni Köln gesteht Leichen-Chaos

Campus der Uni Köln: Bestattungsrückstand am anatomischen Institut.

© Oliver Berg / dpa

KÖLN (akr). Die Universität Köln hat bereits vor Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Körperspenden die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, weil die Identität von drei Leichen nicht feststellbar ist.

Wie am Mittwoch bekannt wurde, sind in den vergangenen zwei Jahren viele Leichen nicht in angemessener Zeit beerdigt worden, sondern im anatomischen Institut der Hochschule gelagert worden. Jetzt will die medizinische Fakultät Maßnahmen entwickeln, damit sich so etwas nicht wiederholt, sagte Dekan Professor Thomas Krieg.

Berichten zufolge herrscht am anatomischen Institut ein "Bestattungsrückstand". "In den vergangenen anderthalb bis zwei Jahren ist es zu Problemen bei der Versorgung von Körperspendern gekommen", erklärte Krieg am Donnerstag vor der Presse.

Unregelmäßigkeiten in rund 100 Fällen

Aufgrund von Erkrankungen von Mitarbeitern sei es zu großen Problemen bei der Pflege der Papiere der Spender gekommen. Bevor Leichen für die Ausbildung von Studenten oder die Forschung vorbereitet werden, werden sie anonymisiert und mit einer Registriernummer versehen. In rund 100 Fällen soll es Unregelmäßigkeiten bei der Aktenführung gegeben haben.

Die Universität ist selbst darauf aufmerksam geworden, nachdem es zu personellen Änderungen im Institut gekommen ist. Seitdem seien die Körperspender zügig bestattet worden, sagte Krieg. "Zurzeit befinden sich noch 27 Leichen im Institut, die zur Beerdigung vorbereitet worden sind."

In den kommenden zwei Wochen sollen sie beerdigt werden. Vor drei Tagen hatten Mitarbeiter festgestellt, dass sie die Identität von drei Leichen nicht klären können. Die daraufhin eingeschaltete Staatsanwaltschaft sehe keine strafrechtliche Relevanz, sagte Krieg.

Unterlagen aller Körperspender werden nochmal bearbeitet

Die Universität will das Chaos in der Aktenführung so schnell wie möglich beseitigen. Um die Identität der drei Leichen zu klären, sollen die Unterlagen aller Körperspender bearbeitet werden.

Ergibt sich daraus keine Klarheit, will die Universität rechtsmedizinische Methoden zur Identifizierung einsetzen. "Wir legen sehr großen Wert auf den pietätvollen Umgang mit Körperspendern", sagte Krieg.

Die Universität bedauert, dass sie ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. "Wir werden darüber nachdenken müssen, wie wir zusätzliche Sicherheitsnetze einziehen, damit so etwas nicht wieder passiert", sagte er.

Es dürfe in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entstehen, dass Mediziner nicht angemessen mit Leichen umgehen.

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