Ärzte Zeitung online, 13.03.2012

Timo Konietzka wählt Freitod durch Gift

Der erste Bundesliga-Torschütze Timo Konietzka ist tot. Er starb am Montag freiwillig, bestätigte seine Frau Schweizer Medien. Von seinem Krebs erlöste ihn die Sterbehilfe.

Von Thorsten Schaff

Timo Konietzka wählt Freitod durch Gift

Fußball-Deutschland trauert um Timo Konietzka.

© dpa

NEU-ISENBURG. Timo Konietzka ist den meisten Fußball-Fans in Deutschland bekannt, weil er 1963 im Spiel Werder Bremen gegen Borussia Dortmund (BVB) das erste Tor in der neu gegründeten Bundesliga schoss. Insgesamt erzielte er 72 Treffer in 100 Bundesliga-Spielen. Seit Montag (12. März) ist Timo Konietzka tot.

Der frühere Meisterspieler des BVB (1963) und 1860 München (1966) starb im Alter von 73 Jahren in seiner Wahl-Heimat Brunnen in der Schweiz - auf eigenen Wunsch.

"Timo hat entschieden zu sterben", sagte seine Gattin Claudia Konietzka der Schweizer Tageszeitung "Blick".

Konietzka schlief friedlich ein

Bei Timo Konietzka, dessen Vorname eigentlich Friedhelm lautet, wurde mehreren Berichten zufolge im Februar Gallen-Krebs diagnostiziert. Nach mehreren Operationen wollte er nicht mehr gegen die Erkrankung ankämpfen.

Der einstige Stürmer entschied sich für die in der Schweiz erlaubte Sterbehilfe, trank am Montag gegen 19 Uhr in seinem Haus einen Giftcocktail und schlief friedlich ein.

Wie seine Frau berichtet, hat er zuvor noch mehrere Tage mit seiner Familie verbracht, dabei seine Enkel gesehen und noch ein letztes Bier getrunken.

Selbst Todesanzeige verfasst

Auch schrieb Konietzka selbst eine Todesanzeige für seine Freunde und Bekannte. "Ich möchte mich ganz herzlich bei Exit (Sterbehilfeorganisation, Anmerk. d. Red.) bedanken, die mich am Montagnachmittag von meinen Qualen erlöst und auf dem schweren Weg begleitet haben."

Er endet mit den Worten "Wir hoffen auf Euer Verständnis. Das ist mein Wunsch."

Mit dem Thema Sterbehilfe setzte sich der ehemalige Fußballer seit 2010 intensiv auseinander, nachdem er einen Herzinfarkt überstanden hatte.

Vor einem Jahr sagte Konietzka dem "Blick": "Ich will nicht irgendwann drei bis fünf Jahre künstlich am Leben gehalten werden (…). Ich habe schriftlich hinterlegt, wie ich aus dem Leben scheiden will. Ich kann so meine Frau und meine ganze Familie entlasten. Ich halte es für ein großes Problem in unserer Gesellschaft, dass man Leute, die sterben wollen, nicht gehen lässt. Wenn einer sterben will, dann möchte er nicht mehr leben. Das muss man akzeptieren."

Und am Montag war der Zeitpunkt gekommen, an dem er nicht mehr leben wollte.

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