Ärzte Zeitung online, 16.04.2012

Einhäupl: Timoschenko sehr krank

BERLIN (dpa). Die Berliner Charité wird nach Angaben ihres Chefs Professor Karl Max Einhäupl bis Mittwoch ihr Gutachten über die Therapiemöglichkeiten für die Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko an die ukrainischen Behörden leiten.

"Wir haben bei unserem Besuch im Krankenhaus der ukrainischen Stadt Charkow eine Vielzahl von Eindrücken gesammelt und konnten erst danach Frau Timoschenko besuchen", sagte Einhäupl der Nachrichtenagentur dpa.

"Auch wegen der internationalen Beachtung unserer Empfehlung wollten wir nicht schnell etwas in den Raum stellen, sondern gründlich überlegen."

Er wolle das Gutachten veröffentlichen, wenn die ukrainische Seite Gelegenheit hatte, dazu Stellung zu nehmen. "Ich hoffe, das ist Ende der Woche so weit", sagte Einhäupl.

Er war zusammen mit dem Leiter der Orthopädie des Universitätsklinikums, Professor Norbert Haas, am Freitag in Charkow gewesen, um die Therapiemöglichkeiten für die schwer kranke Timoschenko außerhalb des Straflagers im Krankenhaus Nummer 5 zu begutachten.

Von ukrainischer Seite war anschließend kritisiert worden, dass die deutschen Ärzte nicht gleich ihre Empfehlung bekanntgemacht hatten.

Timoschenko nicht verhandlungsfähig

Einhäupl betonte, dass die ukrainische Seite alles unternommen habe, um das Krankenhaus für die Behandlung Timoschenkos herzurichten. Das sei sehr anzuerkennen. "Wir zweifeln auch nicht daran, dass der ukrainischen Seite an der Genesung Timoschenkos liegt."

Doch die Ex-Regierungschefin sei sehr krank. "Sie hat seit Oktober einen Bandscheibenvorfall und starke Schmerzen. Sie ist keine Simulantin", sagte der Charité-Chef.

Mit Blick auf einen zweiten Prozess gegen Timoschenko am 19. April betonte Einhäupl: "Sie ist jetzt nicht verhandlungsfähig."

Die Frage, ob das Krankenhaus in Charkow geeignet sei, sei sehr komplex, sagte der renommierte Mediziner. Im Falle Timoschenkos gebe es einen "Dreiklang: der physische Zustand, der psychische Zustand und eine politische Dimension".

Zudem wollten er und Haas die Therapiemöglichkeiten für Timoschenko auch mit anderen Experten in der Charité besprechen.

Neben Orthopädie und Neurologie zählten dazu auch physikalisch-therapeutische Komponenten und eine Schmerztherapie. "Wir wollen unsere Empfehlung begründet ableiten", sagte Einhäupl.

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