Ärzte Zeitung, 15.07.2012

Voodoo-Priester als Verbündeter fürs Impfen

Geschätzte 5,5 Millionen Todesfälle sind in den vergangenen Jahren durch Impfungen verhindert worden. Der Erfolg der Impfprogramme hängt eng mit der Landeskultur zusammen.

Von Eugenie Wulfert

Voodoo-Priester als Verbündeter fürs Impfen

Impfungen können Leben retten. In einigen Ländern muss auch der Voodoo-Priester davon überzeugt sein.

© dpa

BERLIN. Alle 20 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind an einer Krankheit, die durch eine Impfung hätte verhindert werden können.

Bei fast jedem dritten Kind in Entwicklungsländern ist die Todesursache die Folgen von einer Durchfallerkrankung oder einer Lungenentzündung, mehr als Malaria, HIV/Aids oder Tuberkulose zusammen.

"Die Impfung gegen Pneumokokken und das Rotavirus kann sehr viele Krankheits- und Todesfälle verhindern. Dafür ist aber nicht nur Geld nötig. Man muss auch die Menschen davon überzeugen, ihre Kinder impfen zu lassen", sagte Seth Berkley, Epidemiologe und Geschäftsführer der Global Alliance for Vaccines and Immunization (GAVI Alliance), bei der Vorstellung des Kurzfilms "Voodoo & Vaccines" in Berlin.

Kultur muss berücksichtigt werden

Die Dokumentation der Organisation ONE am Beispiel von dem westafrikanischen Land Benin zeigt: Will man die Menschen in Entwicklungsländern vom Nutzen der Impfungen überzeugen, muss die Kultur des jeweiligen Landes berücksichtigt werden.

Der Film nimmt den Zuschauer mit auf die Reise ins Landesinnere von Benin: unbefestigte Straßen, Menschen, die tief in ihrer Tradition und ihrem mystischen Glauben, dem Voodoo-Zauber, verwurzelt sind. Oder die Kinder, von Krankheiten geplagt und karg ausgestattete Krankenhäuser.

Die Filmszenen zeigen, wie skeptisch eine traditionelle Kultur den Neuerungen der modernen Medizin gegenübersteht. Und der Film zeigt Menschen, die gegen diese Vorbehalte der Landbevölkerung kämpfen.

Doch der Einsatz der Ärzte und vieler anderer Persönlichkeiten vor Ort, die Menschen gegen Krankheiten wie Polio, Diphtherie und Tetanus zu impfen, wäre sinnlos, würden sie die tief verwurzelte Kultur einfach ignorieren.

Also wurde in Benin versucht, die Kultur und den Glauben zu verstehen und mit den Menschen zu arbeiten, die den größten Respekt der Bevölkerung genießen: den Voodoo-Heilern.

Hand in Hand mit den Voodoo-Priestern

Der Film erzählt, wie die Mediziner - es gibt nur wenig gut ausgebildete in Benin -  in den vergangenen Jahren mit den Voodoo-Priestern zusammen gearbeitet haben. Die Ärzte konnten die Priester von der Notwendigkeit der Impfungen überzeugen.

Denn: Lehnt der Heiler eines Dorfes die Impfungen der Ärzte ab, wird keiner der Dorfbewohner sein Kind je impfen lassen.

Diese Zusammenarbeit führte offenbar zu einem großen Erfolg des Impfprogramms, wie der Kurzfilm der GAVI Alliance zeigt.

Und obwohl nach wie vor ein großer Handlungsbedarf besteht, habe die Bevölkerung Impfungen als einen wichtigen Bestandteil ihrer medizinischen Versorgung weitgehend akzeptiert.

Die Organisation GAVI Alliance hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben weltweit rund 325 Millionen Kinder geimpft und will damit rund 5,5 Millionen Todesfälle verhindert haben. Bis 2015 sollen weitere 250 Millionen Kinder geimpft werden.

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