Ärzte Zeitung, 25.07.2012

Zahnarzt im Weltraum

Dr. Jos Gal will hoch hinaus. Als erster deutscher Tourist möchte der Zahnarzt aus Nordbaden in den Weltraum fliegen. Sein Ticket für 95.000 Dollar hat er bereits in der Tasche.

Von Marion Lisson

Zahnarzt - und erster deutscher Weltraumtourist

Angst? Die hat der Heidelberger Zahnarzt Dr. Jos Gal vor seinem Weltraumflug nicht. Den Helm eines Raumanzugs hält er schon im Arm.

© Tim Brakemeier / dpa

HEIDELBERG. Er raucht nicht. Er treibt Sport. Er lebt gesund. "Dies ist sicherlich eine gute Voraussetzung, wenn man ins All starten möchte", sagt Dr. Jos Zsombor Gal, lacht und zeigt blendend weiße Zähne.

Gal ist Zahnmediziner in der Nähe von Heidelberg. In der Gemeinde Ubstadt-Weiher betreut der Nordbadener seine Patienten.

Hier hat er seine "Fünf-Sterne-Praxis" - bundesweit einzigartig und von "Excon Certification Services" als solche zertifiziert.

"Zahnkronen werden auf rotem Samt und einem Silbertablett an den Stuhl gebracht", erzählt der Praxischef.

Gal ist kein Mann der leisen Töne. Der modisch gestylte Zahnmediziner erzählt gerne von sich, seiner Arbeit und seinen spannenden Hobbys. Er lacht viel, kommt sympathisch rüber und pfeift auf Kritiker.

"Ich habe immer schon ein wenig verrückt gelebt und der Ausflug ins Weltall passt völlig in meine Vita."

Tatsächlich war Gal bereits Zauberkünstler des Jahres (1994), Entwicklungshelfer im Königreich Tonga (1998), Tennis-Weltmeister der Ärzte (2001) und Dritter bei den Snow-Golf-Europameisterschaften (2011).

Im Jahr 2014 soll es losgehen

Doch wie kommt man zu einem Flugticket ins All? Bei einem Golfturnier in Abu Dhabi mit Tiger Woods, bei dem Gal als Turnierarzt besondere Zahnschienen an Profigolfern testen konnte, geschah es.

Henning Richard Haltinner, ein Experte für Luxuslifestyle, bot Gal das Weltraumticket des holländischen Unternehmens Space Expedition Curacao (SXC) an. Der Heidelberger überlegte nur kurz, dann sagte er zu.

Zwei Unternehmen werben um All-Touristen

Dr. Jos Zsombor Gal aus Heidelberg will als erster deutscher Tourist in den Weltraum fliegen. Eine Frau aus Hagen könnte dem Zahnarzt aus Heidelberg allerdings noch zuvorkommen.

Der Grund: Zwei konkurrierende Unternehmen werben derzeit damit, Privatleute ins All zu befördern. Zum einen will die holländische Firma Space Expedition Curacao fliegen, mit der Gal 2014 unterwegs sein will - zum zweiten das bereits 2004 gegründete Unternehmen Virgin Galactic von Milliardär Richard Branson, bei dem es noch in diesem Jahr losgehen könnte. Egal wie - Gal wird zumindest der erste Zahnmediziner sein, der als Tourist in den Weltraum reist.

Als erster Weltraumtourist gilt Dennis Tito, der sich 2001 auf den Weg zur Internationalen Raumstation ISS machte und dort eine Woche verbrachte. Er zahlte für seinen Trip rund 20 Millionen Euro.

Mit nur einem Piloten an seiner Seite wird sich der 39-Jährige - wenn zeitlich alles wie geplant klappt - 2014 in Richtung All auf den Weg machen. Das Raumfahrtzeug Lynx wird dabei wie ein normaler Jet vom Flughafen von Curacao abheben.

103 Kilometer geht es nach oben - in den Suborbit, nicht in die Erdumlaufbahn. Bereits nach einer Stunde ist der rasante Ausflug in die höheren Sphären beendet.

"Wenn ich zurück bin, darf ich mich nicht nur Zahnarzt, sondern auch Astronaut nennen", freut sich der sportbegeisterte Zahnmediziner jetzt schon.

Die Erde einmal von oben anschauen zu können - Gal ist sicher, dass diese lebensbereichernde Erfahrung ihn sehr bewegen wird. "In 20 Jahren wird es vielleicht Standard sein, ins Weltall zu sausen. Umso schöner ist es, wenn man einer der Ersten war."

Schleudersitze und Fallschirme

Noch ist das Raumschiff nicht startklar. Im Herbst dieses Jahres plant das holländische Unternehmen Space Expedition Curacao, das Raumschiff fertigzustellen. Dann sollen auch die ersten Testflüge starten.

Angst, das etwas schief gehen, könnte hat der Abenteurer "bei allem Respekt vor der Technik" keine.

"Über mein Testament denke ich jedenfalls nicht nach", behauptet der gebürtige Ungar, der seit seinem sechsten Lebensjahr in Deutschland lebt.

Harry van Hulten, einer der Niederländer, die das Touristenweltraum-Projekt SXC gegründet haben, hält den Flug ebenfalls für sicher. Es gebe Schleudersitze und Fallschirme für den Notfall, erzählte er bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Gal, der selbst Erfahrungen im Fallschirmspringen hat, möchte am liebsten "morgen schon einsteigen und losfliegen".

Doch bevor es losgeht, muss nicht nur das Raumschiff erst fertiggebaut, sondern wollen auch Körper und Geist des Fluggastes auf dieses Weltraumabenteuer vorbereitet werden.

Regelmäßige Gesundheits-Checks gehören genauso dazu wie Trainingseinheiten in der Druckkammer oder Zentrifuge. Gal ist bereits mitten in der Vorbereitungsphase.

Mit dem Geld tun und lassen, was man will

In einem Simulator am Boden und einem Kampfjet mit 1000 km/h in der luftigen Höhe konnte der künftige Copilot schon erste Weltraumgefühle sammeln. "Die dreifache Schallgeschwindigkeit hat es bereits in sich", gesteht er offen.

"Es fühlt sich an, als würde jemand mit einem Amboss in die Magengrube schlagen."

In spätestens zwei Jahren will Space Expedition Curacao Privatleute wie Jos Z. Gal für knapp 71.000 Euro ins All befördern. Geplant ist, täglich vier Mal ins All zu starten.

Das Raumschiff ist für rund 5000 Flüge ausgelegt. Über 50 Tickets wurden nach Angaben der Firma seit Sommer 2011 verkauft.

Dass er als Zahnarzt 95.000 Dollar auf den Tisch blättert, um für ein Stündchen in den Weltraum zu entschwinden, kommt nicht bei allen Mitbürgern gleichermaßen gut an.

"Andere haben in meinem Alter bereits zwei Scheidungen hinter sich und dafür auch jede Menge Geld gezahlt", erklärt der unverheiratete und kinderlose Gal.

"Jeder sollte nach Belieben mit seinem Geld tun und lassen, was er will. "Denn seinem Ziel bleibt er treu: So bald wie möglich die Erde von oben zu sehen.

Dr. Gals Abenteuer sind auch online unter www.drgalsworld.de

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