Ärzte Zeitung, 26.08.2012

Kommentar

Leugnen bis zum Schluss

Von Pete Smith

Die Indizien wiegen schwer, doch geleugnet wird bis zum Schluss. Wenn es um Doping im Spitzensport geht, wiederholt sich das immer selbe Muster.

Aktuell beruft sich der ehemalige US-Radprofi Lance Armstrong darauf, dass es von ihm nicht einen gültigen Dopingbefund gibt und er mithin als sauberer Sportler gelten darf.

Sein Fall leuchtet das Dilemma aus, in dem sich der Sport befindet: Die Betrüger sind den Fahndern meist meilenweit voraus - jeder weiß, dass sie dopen, aber um sie zu überführen, wären feinere Analysemethoden nötig.

Der Sport allein, so haben die vergangenen Jahrzehnte gezeigt, ist mit dem Dopingproblem hoffnungslos überfordert. Erst seitdem sich Polizei und Justizbehörden eingeschaltet haben, leben Sportbetrüger gefährlich.

Razzien fördern verbotene Substanzen zutage, über abgehörte Telefonate werden Hintermänner enttarnt. Dass gegen Armstrong überhaupt Anklage erhoben werden konnte, verdanken die Ermittler der Kronzeugenregelung.

Doch egal wie viele seiner ehemaligen Teamkollegen ihn noch belasten - der Beschuldigte bleibt seinem Dementi treu. Am Ende mögen ihm seine Titel aberkannt werden, doch überführt worden ist er nicht.

Und die Millionen, die er als Radprofi verdient hat, kann ihm auch niemand nehmen.

Lesen Sie dazu auch:
Lance Armstrong: Rasante Talfahrt einer Radsportlegende

[27.08.2012, 22:16:55]
Dr. Horst Grünwoldt 
Demontage
Indizien (Anzeichen) für etwas sind noch kein Beweis dafür, daß jemand etwas Unehrenhaftes getan hat und als Betrüger tituliert wird.
Das unredliche Hexentreiben (wegen der Einnahme von sog. "verbotenen Stoffen") gegen außergewöhliche Athleten muß ein Ende haben.
Der Irrglaube, daß Lance Armstrong und Jan Ullrich ihre "Tour der Leiden" angeblich wegen "leistungssteigernden" Drogen gewonnen hätten, muß endlich ausgeräumt werden.
Schon immer sind die Helden, aber auch die Möchte-gern-Stars, von einer Corona der geschäftstüchtigen Wunderheiler, Quacksalber und Scharlatane umgeben. Selbst der vertraute Doc wird gelegentlich gefragt, ob er nicht "etwas" geben könne, das noch einen Extra-Kick macht.
Wenn er ehrlich ist, wird er dies verneinen und feststellen, daß alleine gesundheitlich fördernde Maßnahmen das persönliche Leistungsoptimum erreichen lassen.
Allerdings ist auch für ihn die Versuchung groß, einen Anteil am Ruhm des Siegers in dessen Augen durch seine "Kunst" zu "ergattern". Und so wird er schon mal in die Kiste greifen und eine kultische Handlung mit einem mental stärkenden Placebo durchführen.
Alle anderen, sog. verbotenen Stoffe wird er unberührt lassen, weil er weiß, daß auch diese bestenfalls den Sportler kurzfristig nur an seine individuelle Grenze gehen lassen können, aber niemals zur ominösen und dauerhaften Leistungssteigerung führen können.
Insofern kann selbst das leichtfertig versuchte "doping" nach m.E. de facto überhaupt nicht als betrügerische Handlung gebrandmarkt werden.
Das mögen endlich die Fachärzte und Pharmakologen -ohne Einbuße ihres Nimbus-nicht nur den Athleten, sondern erst recht den fehlgeleiteten Herren des "Anti-doping-Kampfes" klarmachen.
Ansonsten kommt es ungerechterweise zur Demontage weiterer Sportidole.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

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