Ärzte Zeitung, 11.12.2012

Medizin und Kunst

Ein Wanderer zwischen den Welten

Medizinstudium oder Künstler werden? Vor dieser Frage stand Apollo Ramirez aus Peru. Er hat beides gemacht - und wurde so zum Schöpfer des größten Gemäldes der Welt.

Von Pete Smith

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Apollo Ramirez alias Antonio Máro ist Arzt und Künstler. Oedekoven

© Fotocollage (A Moro Sommer), wolfgang-strassburger.de

Medizin ist eine Kunst, und Kunst ist Medizin. Wie nah beide Professionen beieinander liegen, haben Schriftsteller wie Benn und Büchner oder Musiker wie Sinopoli und Borodin auf schönste Weise beschrieben.

Ebenso in den Bildenden Künsten haben Mediziner Bedeutung erlangt, Mo Edoga beispielsweise oder Wolfgang Laib - doch ihre Namen sind außerhalb der Kunstszene nur wenigen bekannt.

Auch der Schatz des Antonio Máro, Arzt und Künstler peruanischer Abstammung, glitzert unter der Oberfläche des Mainstreams, obwohl sich Máro immerhin rühmen darf, Schöpfer eines der größten Gemälde der Welt zu sein.

"Inti huatana", Rastplatz der Sonne, misst 18 mal sechs Meter und ist im Besitz der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Meinerzhagen, die es 1978 beim Künstler in Auftrag gab.

Damals sollte die Bühnentrennwand der neuerbauten Stadthalle künstlerisch gestaltet werden, ein Vorhaben, für das man den seit 1950 in Europa lebenden Antonio Máro gewann.

Entstanden ist ein abstraktes, vom präkolumbianischen Erbe Perus inspiriertes Mammutgemälde, das noch immer den Saal der Meinerzhagener Stadthalle ziert.

Unter dem Namen Apollo Ramirez kam Antonio Máro 1928 in Catacaos, einem Fischerdorf im Norden Perus, zur Welt. Schon als Kind begann er zu malen, auch die Musik sprach ihn an.

Doch Apollos Eltern wollten von den künstlerischen Neigungen ihres Sohnes nichts wissen und drängten ihn stattdessen, ein Medizinstudium aufzunehmen, damit er einst ein sicheres Auskommen habe.

Vier Söhne, allesamt Mediziner

Also schrieb sich Ramirez für Medizin ein, malte jedoch nebenbei weiter und bot seine Bilder unter dem Pseudonym Antonio Máro zum Verkauf an. 1951 erhielt er ein Medizin-Stipendium für Deutschland.

Nachdem er kurz zuvor bei dem Belgier Ricardo Grau, dem Direktor der Kunstakademie Lima, ein Studium der Malerei begonnen hatte, setzte er jenes an der Kunstakademie Stuttgart fort, wo er in Willi Baumeister einen der damals renommiertesten Lehrer für abstrakte Malerei fand.

Fortan suchte Máro seine beiden Professionen miteinander zu verknüpfen. Während er tagsüber als Arzt die Grundlage schuf, um seiner Frau und seinen vier Söhnen einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten, arbeitete er nachts an seinen großflächigen Gemälden.

Dafür entwickelte er eine eigene Maltechnik, die er "Contraplano", Gegen-Ebenen, nennt. Typisch für seine Arbeitsweise ist, dass er mehrere Farbschichten übereinander aufträgt, die er mit Hilfe von Chemikalien teilweise wieder wegätzt und so den Untergrund durchscheinen lässt.

Über seine Pinselkunst hinaus schuf Máro auch Grafiken und Skulpturen. Seine Werke sind in den vergangenen Jahrzehnten auf drei Kontinenten zu sehen gewesen, in nahezu allen lateinamerikanischen Ländern, in den USA und Kanada ebenso wie in Japan, China, Thailand, Russland, Belgien und Deutschland.

Große Erfolge feierte Máro in den 1980er Jahren bei seinen Beteiligungen an den Biennalen in Venedig.

Inzwischen lebt der Wanderer zwischen den Welten im belgischen Hauset nahe der Grenze zu Deutschland. Als Arzt praktiziert er nicht mehr, als Künstler wohl.

Seine vier Söhne sind allesamt in seine Fußstapfen gestiegen - einer als Neurophysiologe, ein weiterer als bildender Künstler und die beiden jüngsten als klassischer Gitarrist und Violinpädagoge.

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