Ärzte Zeitung online, 23.02.2013

Contergan-Opfer

Schröder will deutlich höhere Renten

Mehr Hilfe für die Contergan-Opfer: Die schwarz-gelbe Koalition macht Ernst und will die Renten deutlich erhöhen - um fast 6000 Euro.

Schröder will deutlich höhere Renten

Tropfen mit Konsequenzen.

© dpa

BERLIN. Nach einer Hilfszusage des Bundes sollen in Deutschland lebende Contergan-Geschädigte laut einem Zeitungsbericht erheblich höhere Renten erhalten.

Ein Gesetzesentwurf des Familienministeriums, aus dem die "Rhein-Zeitung" am Samstag zitiert, sieht demnach vor, dass die monatliche Höchstrente für rund 2700 Berechtigte von derzeit maximal 1152 Euro auf bis zu 6912 Euro ansteigt. Die Erhöhung soll rückwirkend zum 1. Januar gelten.

Die Maßnahme schlage im Bundeshaushalt mit 90 Millionen Euro jährlich zu Buche. Weitere 30 Millionen Euro sollen jährlich für Sonderzahlungen, etwa für Zahnersatz, bereitgestellt werden.

Im Familienministerium rechne man damit, dass das Gesetz noch Mitte März vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden könne.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte Ende Januar in Berlin angekündigt, Union und FDP seien sich einig, dass die Contergan-Geschädigten erheblich mehr Mittel für Rente und medizinische Versorgung bräuchten. In Aussicht gestellt wurde eine Summe von 120 Millionen Euro.

Die Contergan-Opfer fordern seit langem eine Verbesserung ihrer medizinischen Versorgung und finanziellen Lage. Nach einer Studie der Universität Heidelberg sind die Geschädigten in vielen Bereichen unterversorgt.

Etwa jedes dritte Opfer könne nicht mehr arbeiten. Mit zunehmenden Beschwerden bräuchten die Betroffenen zugleich immer teurere Hilfsmittel und Umbauten in den Wohnungen. (dpa)

[06.03.2013, 10:18:51]
Marion Gottreich 
Das Unrecht geht trotzdem weiter
Es ist klasse, dass endlich mehr Entschädigung für die Conterganopfer gezahlt wird - keine Frage! Es wurde Zeit, denn viele haben den Körper eines 80-jährigen Menschen und nicht eines 50-jährigen.
Aber!!!!!!!! Es wird immer noch ungleich behandelt, denn viele Opfer, sagen wir mal ca. 12% der Anerkannten, bekommen ihre Entschädigung (auch wenn, dass das falsche Wort dafür ist) erst ab Antragstellung und nicht ab 1972, wie die meisten der Opfer. ALLE sind aber seit Geburt geschädigt und nicht erst ab Antragstellung! Hier ist ein Ungleichgewicht und gegen alle Gleichberechtigung. Noch mehr Unmenschlichkeit und Unrecht liegt/lag in der Ausschlussfrist (01.01.1984 - 30.06.2009)!!!!!! Es konnte sogar niemand, in dieser Zeit einen Antrag stellen, sondern erst ab 01.07.2009 (offiziell 25,5 Jahre lang keine Möglichkeit). Dann kommt noch dazu, dass es Ausnahmen gab (unrechtmäßig), die innerhalb der gesetzlichen Ausschlussfrist anerkannt wurden und sogar rückwirkend ab 1972 "Rente" bezogen. Ein Fall, sogar in 2008. Das war und ist gesetzeswidrig!!!!!! Schließlich hatten alle keine Handhabe mehr gegen Grünenthal vorzugehen, dies hat die Bundesregierung verhindert und somit haben viele Opfer ab 1972 bis heute keine Zahlungen erhalten. Diese Opfer werden auch jetzt nicht bedacht. Genauso sind noch viele nicht anerkannt und werden mit irgendwelchen Syndromen ausgeschlossen (Willkür??? Um Geld zu sparen???). Es liegen Schreiben vor, die das sogar bestätigen, dass möglichst viele abgelehnt werden sollen. Hier geht das Unrecht weiter. Es wird erst enden, wenn wir ALLE tot sind. Ich denke immer an den Spruch: Recht haben ist in Deutschland noch lange nicht "Recht bekommen"!
Es wäre wunderbar, wenn sich einige Journalisten, auch diesem Thema einmal widmen.
Ich bitte ebenso, wie die meisten der Opfer, die noch nicht anerkannt sind oder erst spät anerkannt wurden, um endgültigen Rechtsfrieden!
Viele verantwortliche Politiker sollten sich einmal das Grundgesetz gründlich vornehmen!!!!
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