Ärzte Zeitung online, 07.11.2013
 

Staatsanwaltschaft ermittelt

Neuer Gammelfleisch-Skandal in Niedersachsen?

Ein Betrieb in Niedersachsen steht im Verdacht, Ware falsch gekennzeichnet zu haben. Möglicherweise wurde tonnenweise schlechtes Fleisch verarbeitet.

OLDENBURG/BAD BENTHEIM. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg geht einem neuen Gammelfleisch-Verdacht nach und ermittelt gegen einen fleischverarbeitenden Betrieb in Bad Bentheim.

Es gehe um den Verdacht von Kennzeichnungsverstößen und Urkundsdelikten, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Das ARD-Morgenmagazin hatte zuvor berichtet, dass der Betrieb tonnenweise Gammelfleisch mit gutem Fleisch vermischt und verkauft habe.

In dem Bericht wird ein ehemaliger Arbeiter der Fabrik mit den Worten zitiert: "Es wird auch Fleisch geliefert, das schon grün ist. Wir Arbeiter weisen zwar darauf hin, dass das Fleisch schlecht ist, aber dann wird uns gesagt, dass wir es doch verarbeiten sollen, und wir werfen es in die Maschinen."

Durchsuchungen im Juni und im Oktober

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, der Betrieb sei im Juni und Oktober insgesamt zweimal durchsucht wurde. "Es wurden Proben genommen und sichergestellt", sagte er. Ob diese bereits analysiert worden sind, konnte er nicht sagen.

Bei den Ermittlungen gehe es vor allem um den Verdacht, dass sogenanntes Separatorenfleisch nicht als solches ausgezeichnet wurde. Separatorenfleisch wird maschinell von den Knochen gelöst und darf nur verwendet werden, wenn die Produkte entsprechend gekennzeichnet sind.

"Der Verdacht besteht, dass falsche Veterinärzeugnisse für den Export erwirkt worden sein könnten, in der die Herkunft des Fleischs verschleiert worden ist."

Mitarbeiter machten Videoaufnahmen mit dem Handy

Nach dem Bericht des ARD-Morgenmagazins soll der Betrieb regelmäßig billiges, schlechtes Fleisch gekauft haben. Zwei ehemalige Mitarbeiter hätten heimlich mit ihren Handys Videos aufgenommen. Als sie ihrem Arbeitgeber illegale Machenschaften vorgeworfen hätten, seien sie gekündigt und bedroht worden. (dpa)

Gammelfleisch-Skandale

Gammelfleisch-Funde haben Verbrauchern schon oft den Appetit verdorben. Einige Fälle der vergangenen Jahre:

März 2010: Der Verkauf von 313 Tonnen Gammelfleisch an Lebensmittel-Händler trägt einem Unternehmer aus Bayern drei Jahre Gefängnis ein. Der ehemalige Kühlhaus-Betreiber aus Illertissen hatte massenhaft Schlachtabfälle umdeklariert.

Juli 2008: Im Prozess um angebliches Gammelfleisch verurteilt das Landgericht Itzehoe (Schleswig-Holstein) einen Dönerproduzenten wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 1262 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten. Die Kammer sieht es als erwiesen an, dass der Geschäftsmann zwischen Dezember 2006 und September 2007 rund 100 Tonnen Döner aus nicht zugelassenem Fleisch herstellte.

August 2007: Eine Firma in Wertingen (Bayern) hat laut Staatsanwaltschaft tonnenweise Schlachtabfälle umetikettiert und verkauft. Im August 2011 wird der Hauptangeklagte wegen gewerbsmäßigen Betruges zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Laut Urteil hatte der Fleischfabrikant insgesamt 130 Tonnen Fleisch umetikettiert und mit Hilfe seiner Geschäftspartner verkauft.

September 2006: In einem Lager in Berlin werden 95 Tonnen Putenfleisch beschlagnahmt. Von 25 Proben werden 19 beanstandet, 12 davon sind mit Salmonellen infiziert. In den Wochen vor dem Fund hatte der Händler 42 Tonnen Fleisch verkauft.

September 2006: In bayerischen Kühlhäusern werden mehr als 40 Tonnen Fleischprodukte eines Unternehmens aus dem Metten bei Deggendorf (Bayern) sichergestellt. Die Waren sind zum Teil seit 2001 abgelaufen. Zudem wies der Firmenchef Mitarbeiter an, verdorbenes unter frisches Fleisch zu mischen. Der Unternehmer wird im Oktober 2009 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

August 2006: Die Polizei in München stellt bei einem Großhändler tonnenweise abgelaufenes Fleisch sicher. Wie das Münchner Kreisverwaltungsreferat mitteilt, sind darunter mehrere Tonnen Döner-Spieße und rund 360 Kilogramm Wild- und Geflügelfleisch. Die Haltbarkeitsdaten waren teils um vier Jahre überschritten. Der Hauptbeschuldigte nimmt sich am 6. September das Leben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »

Inhalatives Steroid bei Kindern – Keine falsche Zurückhaltung!

Die Angst vor Frakturen sollte bei asthmakranken Kindern kein Grund gegen die Kortisoninhalation sein. Zurückhaltung könnte sogar den gegenteiligen Effekt haben. mehr »

Ibuprofen plus Paracetamol so effektiv wie Opioide

Es müssen keine Opioide sein: OTC-Analgetika wirken bei Schmerzen in den Gliedmaßen ähnlich gut wie Opioide, so eine US-Studie. mehr »