Ärzte Zeitung online, 24.12.2013
 

Feiertagsmahl

Die fette Weihnachtsgans - ein Auslaufmodell?

Der Gänsebraten ist für viele Deutsche noch immer das traditionelle Weihnachtsgericht. Doch die Weihnachtsgans ist längst nicht mehr zeitgemäß.

Die fette Weihnachtsgans - ein Auslaufmodell?

Ab in den Topf.

© Uwe Zucchi / dpa

REGENSBURG/NÜRNBERG. Gänse und Enten leben um die Weihnachtszeit gefährlich. Nach Angaben der Erzeuger werden rund 90 Prozent aller deutschen Gänse im November und Dezember gegessen. Und 2012 wurden 60 Prozent aller Enten im vierten Jahresquartal verkauft.

Doch Weihnachtsgans und Knusperente sind in unserer modernen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß, meint der Regensburger Professor Gunther Hirschfelder. Er erforschte weihnachtliche Kulinarik aus kulturwissenschaftlicher Perspektive.

"Wir erleben heute einen Wandel hin zur gesundheits- und leistungsbewussten Gesellschaft", sagt der Professor. "Darin hat die fettige, sperrige Gans keinen Platz."

Die Weihnachtsgans sei auch schwierig zuzubereiten, und in einer Gesellschaft mit mehr Singles werde das große Geflügel immer weniger gebraten.

"Zudem kommt sie im ganzen auf den Tisch: Man sieht der Gans also an, dass sie ein Tier ist", sagt Hirschfelder. Nicht jeder möge das. "Die junge Generation schreckt vor der Gans zurück", sagt der Forscher.

Heiligabend war Fastentag

Die Tradition der Weihnachtgans kam erst in der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert auf. Gänse waren damals auf jedem Bauernhof selbstverständlich, sagt Hirschfelder.

"Sie wurde dann am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag zubereitet. An Heiligabend selbst gab es dagegen eine karge Mahlzeit."Denn ursprünglich sei der Heiligabend kein Fest-, sondern ein Fastentag gewesen.

Die gesamte Adventszeit galt seit dem 7. Jahrhundert - ähnlich wie die Tage vor Ostern - als Zeit des Fastens, der Stille und des Verzichts, sagt Hirschfelder. Völlerei war da verpönt. "An Heiligabend kam stattdessen ein typisches Fastengericht wie Karpfen, Herings- oder Kartoffelsalat auf den Teller."

Die Tradition zeigt sich noch heute. Würstchen mit Kartoffelsalat ist der Deutschen liebstes Essen an Heiligabend, fand das Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg vor einigen Jahren heraus.

Jeder dritte Bundesbürger esse die einfache Mahlzeit am Vorabend des Weihnachtsfestes am liebsten. Nur jeder zehnte Deutsche gab an, am 24. Dezember Gans zu essen, jeder Fünfte esse gerne Karpfen.

Flickenteppich an Kulturen

"Einen einheitliche Weihnachtsspeise gibt es in Deutschland nicht, gab es noch nie", sagt Kulturwissenschaftler Hirschfelder.

"Denn früher war Deutschland ein Flickenteppich an Kulturen." Daher gebe es auch heute noch von Region zu Region unterschiedliche Traditionen.

Doch ganz gleich welches Weihnachtsmenü, laut GfK verbindet die Deutschen an Weihnachten ein gemeinsames Essverhalten: 80 Prozent der Deutschen gaben an, an den Feiertagen "immer zu viel zu essen". (dpa)

[30.12.2013, 12:29:28]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ente, ääähhh G a n s, gut - Alles gut!
Die dpa schrieb mir heute morgen etwas zerknirscht:

"Sehr geehrter Herr Dr. Schätzler,

vielen Dank für Ihre Mail, wir haben da tatsächlich einen Fehler in der Schreibweise des Professors gemacht. Er heißt Gunter Hirschfelder, nicht Hirschberger. Wir werden das korrigieren und bitten den Fehler zu entschuldigen.

Falls Sie einen Kontakt zu Herrn Prof. Dr. Hirschfelder suchen, kann ich Sie gerne auf das Internet-Angebot der Uni Regensburg verweisen. Dort finden Sie neben Telefonnummer und Mailadresse auch ein Verzeichnis seiner Publikationen, Vorlesungen und eine Vita.

http://www.uni-regensburg.de/sprache-literatur-kultur/vergleichende-kulturwissenschaft/mitarbeiter/hirschfelder/

Besten Dank und einen guten Start ins neue Jahr,

Rochus Görgen
Leiter Büro Magdeburg
dpa..."

Mf+kG und 'gans' der Alte, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM DO zum Beitrag »
[29.12.2013, 17:21:14]
Denis Nößler 
Von Enten und Wissenschaft
Lieber Kommentatoren,

haben Sie vielen herzlichen Dank für Ihre Anmerkungen, die wir sehr gerne aufnehmen. Wir werden bei künftigen ornithologisch-kulinarischen Beiträgen kritischer hinschauen.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht Ihnen die Redaktion der "Ärzte Zeitung". zum Beitrag »
[29.12.2013, 16:54:47]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Zunächst dachte ich, eine typische Zeitungsente!?
Die Deutsche Presse Agentur (dpa), die diesen Artikel verzapft hat, ist wie so häufig kulturell nicht auf der Höhe der Zeit: Denn die vorliegende Übersicht über (vor)weihnachtliche Ernährungsgewohnheiten und 'rituelle' Speisungen aus kulturwissenschaftlicher Perspektive, von Professor Gunther Hirschberger angeblich an der Universität Regensburg erforscht, vergisst ja schon mal völlig die Kulturgeschichte der "Martinsgans".

Doch auch wenn die Ärzte Zeitung (ÄZ) kein "wissenschaftliches Blatt" ist, das nur streng nach RCT, EbM, Peer Review und Ethik-Kommission geprüfte, rein naturwissenschaftliche Studienergebnisse publiziert, sollte sie sich dennoch fragen lassen, warum
1. ein Professor Gunther Hirschberger im gesamten Internet keinen Eintrag, keine Publikation und keine Co-Autorenschaft hat (außer 2-3 entenhaften Zeitungsgeschichten über die oben geschilderte Krise der Weihnachtsgans).
2. im gesamten Personalverzeichnis der Universität Regensburg k e i n einziger Professor Gunther Hirschberger (auch kein Emeritus) existiert.

So ist denn diese Geschichte vom Weihnachtsschwund des Gänsebratens vermutlich nichts anderes als eine Zeitungs-E n t e!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


 zum Beitrag »
[28.12.2013, 22:30:55]
Sabine Nattermann 
Was soll diese unwissenschaftliche Beitrag eigentlich?
Die Überschrift ist ausreichend - welchen wirklichen halbwegs wissenschaftlichen Bezug kann man darin erkennen? zum Beitrag »
[28.12.2013, 22:13:38]
Sabine Nattermann 
Absolut merkwürdige Einschätzung
Haben Sie jemals von der entfettenden Zubereitung durch langes Niedrigtemperaturgaren gehört? Wenn ich mit jungen Leuten spreche, wird immer wieder die Vorliebe für einen Gänsebraten betont. Man kann Methode wählen, bei de ein das Fett absolut reduziert wird! Ich finde diese Einschätzung falsch und wundere mich über diesen Beitrag. zum Beitrag »
[24.12.2013, 11:38:19]
Helmut Reinhard 
Gänsebraten, "wissenschaftlich"
Braucht man zur Verkündung derartiger Banalitäten Wissenschaftler ??
Und: " nicht mehr zeitgemäß", soll wohl heißen "politisch unkorrekt"?
Jedenfalls, mir schmeckt's. zum Beitrag »

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