Ärzte Zeitung, 20.05.2014

Kommentar zur vorgetäuschten Impfaktion

Bärendienst für Poliohelfer

Von Wolfgang Geissel

Mit dem Vortäuschen einer Impfaktion zum Aufspüren von Osama bin Laden in Pakistan haben die USA den weltweiten Anstrengungen um die Eradikation von Polio einen Bärendienst erwiesen. Das Vertrauen in die humanitäre Kampagne wurde auf unabsehbare Zeit zerstört. Bemühungen, Kinder auch in den Krisengebieten der islamischen Welt gegen die Krankheit zu impfen, werden damit unendlich erschwert.

Und außerdem hat das Misstrauen der Fundamentalisten gegen Polio-Impfkampagnen bereits Dutzende Helfer das Leben gekostet. Die späte Versicherung der US-Regierung, künftig keine als Impfhelfer getarnten Spione mehr einsetzen zu wollen, ist wertlos. In Pakistan wird niemand daran glauben.

Die Beteuerungen eignen sich noch nicht einmal dazu, aufgebrachte Bürger in den USA und der restlichen Welt zu besänftigen.

Unterdessen steht das weltweite Polio-Eradikationsprogramm an einem Scheideweg. Nachdem die Kinderlähmung in Indien erfolgreich eradiziert worden ist, verbleiben nur noch Pakistan, Afghanistan und Nigeria als Endemieländer.

Überall dort ist der islamistische Fundamentalismus ein Machtfaktor. Exportiert wird von dort nicht nur Terror, sondern zunehmend Polio. Es wird viel Mühe kosten, die Wiederausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Lesen Sie dazu auch:
USA: Keine Impfhelfer mehr als Spione

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[21.05.2014, 12:32:42]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht"
Nachdem die USA mit ihrer neuen Variante einer "biologischen Kriegsführung" dazu beigetragen haben, dass Pakistan, Afghanistan und ihre Nachbarländer bzw. auch Nigeria und Zentralafrika weiterhin als Polio-Endemie-Länder über ein Erregerreservoir verfügen, muss aus Infektions-epidemiologischer Sicht die Polio-Schutzimpfung wieder flächendeckend weltweit angewandt werden. Perfide daran, dass selbst Polio Erst- und Auffrischungsimpfungs-Programme günstigenfalls auf ambivalente Zurückhaltung treffen werden; dies besonders in den weniger USA-freundlichen Entwicklungs- und Schwellenländern, wo die Prävalenz der Poliomyelitis am höchsten ist.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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