Ärzte Zeitung App, 15.09.2014

Einst TV-Kulisse

Schwarzwaldklinik wird zum echten Krankenhaus

Vor knapp 25 Jahren endete die TV-Serie "Schwarzwaldklinik". Nun kommt neues Leben in die Klinik.

schwarzwaldklinik-A.jpg

Außenansicht der "Schwarzwaldklinik" im Glottertal nahe Freiburg.

© Winfried Rothermel / dpa

GLOTTERTAL. Zurück in die 1980er Jahre ist es ein Fußmarsch von nur wenigen Minuten: Vom Parkplatz hinauf zum sogenannten Carlsbau. Das markante Gebäude in Glottertal bei Freiburg diente der Fernsehserie "Schwarzwaldklinik" als Kulisse und wurde so weltweit bekannt.

Vor genau drei Jahrzehnten begannen hier die Dreharbeiten. Noch heute ist der Bau ein Touristenmagnet. Und im Umbruch.

Zehn Jahre stand er leer, im Oktober soll wieder eine Klinik einziehen. Allerdings mit echten Ärzten und Patienten - und ohne Fernsehkameras.

"Die Schwarzwaldklinik war ein Phänomen, wie wir es in Deutschland zuvor nie hatten und auch nicht wieder haben werden", sagt der Produzent der ZDF-Serie, Wolfgang Rademann (79). Er ließ sich von der tschechischen Fernsehreihe "Das Krankenhaus am Rande der Stadt" inspirieren.

Auf der Suche nach einem Drehort wurde er im Glottertal fündig. Vor 30 Jahren, im Sommer 1984, starteten die Dreharbeiten. Es war der Auftakt einer Serie, die Fernsehgeschichte schrieb. Und Kultstatus erreichte. Die erste Folge wurde im Oktober 1985 ausgestrahlt.

75 Folgen mit jeweils bis zu 28 Millionen Zuschauer

Das Schild "Schwarzwaldklinik" hängt noch immer über dem Eingang. Es erinnert an die bis heute populärste und erfolgreichste deutsche Fernsehunterhaltungsserie. Bis zu 28 Millionen Zuschauer saßen in den 80er Jahren in Deutschland pro Folge vor den Bildschirmen.

"Das ist bis heute die höchste Zuschauerzahl, die in Deutschland jemals für eine Sendung mit fiktivem Inhalt erzielt wurde", sagt ZDF-Sprecher Christian Schäfer-Koch. Auch international war die Serie ein Renner: Sie wurde in 43 Ländern ausgestrahlt.

Gedreht wurde fünf Jahre lang. Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn und jede Menge andere Schauspieler standen vor der Kamera. An den Drehorten im Schwarzwald löste die Serie einen Touristenboom aus. Im Sommer 1989 war dann vorerst Schluss. 2004 und 2005 wurden zwei neue Episoden produziert.

Insgesamt kamen 75 Folgen auf den Bildschirm. Sie wurden ein Dauerbrenner. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat das ZDF die "Schwarzwaldklinik" zwölf Mal wiederholt. Auch bei Youtube findet die 80er-Jahre-Serie ihre Zuschauer.

Am Drehort in Glottertal werkeln inzwischen Arbeiter, davor stehen Touristen. Noch immer hat die Fernsehklinik Anziehungskraft, vor allem in der Urlaubssaison.

Besucher, die sich vor Ort ein Bild machen wollen, kommen bis heute. Sie nehmen den Fußmarsch den Berg hinauf in Kauf und fotografieren sich vor der Klinik, um sich anschließend im nahe gelegenen "Schwarzwaldklinik"-Souvenirladen umzuschauen.

Ab Oktober werden psychisch kranke Patienten versorgt

Im Gebäude, das der TV-Serie das Gesicht gab, werden von Oktober an Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen behandelt. Das Haus, das vor 100 Jahren gebaut wurde und seit 2004 leer stand, wird dafür umgebaut. Investiert werden mehr als fünf Millionen Euro.

Das Schild "Schwarzwaldklinik", sagt Klinikchef Franz-Josef Luxem, bleibt erhalten. Ebenso ein Hinweisschild am Eingang, das die Geschichte des Hauses erzählt. Touristen dürfen weiter kommen.

Nur ins Gebäude können sie nicht. "Sie würden dort ohnehin nichts entdecken", sagt Luxem. Für alle Innenaufnahmen der Serie wurden damals Studios in Hamburg genutzt.

Mit der "Schwarzwaldklinik" hat Produzent Rademann abgeschlossen. Er konzentriert sich auf die Endlosserie "Traumschiff", die er seit 1981 für das ZDF produziert. "Ich liege lieber unter Palmen als unter Tannen", sagt er.

Schauspieler Sascha Hehn, der in der Klinik den Mediziner Udo Brinkmann verkörperte, ist mit im Boot. Er ist vor wenigen Monaten neuer Kapitän auf dem "Traumschiff" geworden. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »