Ärzte Zeitung, 24.10.2014
 

Zeitumstellung

Die meisten wollen Sommer für immer

Am Wochenende werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt. Eine Umfrage zeigt: Die meisten in Deutschland haben keine Lust auf die Zeitumstellung. Viele wollen lieber Sommerzeit für immer.

Die meisten wollen Sommer für immer

Die Zeitumstellung ist für die meisten Deutschen ein Ärgernis, wie eine Umfrage ergeben hat.

© Reimer/Pixelvario/fotolia.com

HAMBURG. Die meisten Menschen in Deutschland lehnen die Zeitumstellung einer Umfrage zufolge ab. 71 Prozent der Befragten halten sie für überflüssig und wollen sie am liebsten abschaffen, wie die DAK-Gesundheit am Dienstag in Hamburg mitteilte.

"Nur noch 27 Prozent der Deutschen halten die Zeitumstellung für sinnvoll."

Etwa jeder Vierte kämpft demnach mit den Folgen der Uhrenumstellung, vor allem Berufstätige klagen über gesundheitliche Probleme. Knapp 60 Prozent der Umstellungsgegner wollen der Umfrage zufolge die Sommerzeit als ganzjährige Zeit.

In der Nacht zum Sonntag (26.10.) werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt.

In Deutschland wurde die Sommerzeit 1980 eingeführt, um das Tageslicht besser zu nutzen und dadurch Energie zu sparen.

Viele sind müde und schlapp

Nach der Zeitumstellung können sich viele Menschen laut den Ergebnissen der Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK schlechter konzentrieren, sie sind müde und schlapp, haben Einschlafprobleme oder Schlafstörungen. Zwölf Prozent der Betroffenen klagten sogar über depressive Verstimmungen.

Aus medizinischer Sicht sei die Normalzeit für den Organismus gesünder als die Sommerzeit, erklärte die Ärztin Elisabeth Thomas von der DAK-Gesundheit: Für die innere Uhr sei ein heller Morgen wichtiger als ein heller Abend.

Im Herbst und Winter sollten daher möglichst viele Sonnenstrahlen genutzt werden.

Der Stundenzeiger wird am Sonntagmorgen um eine Stunde von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgedreht. Man kann also ohne schlechtes Gewissen eine Stunde länger schlafen. Klingt einfach, ist es aber offenbar nicht.

Denn selten geht alles glatt. Die Zeitumstellung sorgt Jahr für Jahr für Malheure.

Auch bei den Regierenden. So verschlief beispielsweise CSU-Chef Horst Seehofer im April dieses Jahres eine für acht Uhr angesetzte Telefonkonferenz mit der Bundeskanzlerin. Er hatte offenbar vergessen, seinen Wecker auf Sommerzeit umzustellen.

Erst als das Klingeln seines Handys nicht aufhörte, ist ihm nach eigenen Angaben schlagartig klar geworden: die Zeitumstellung! Die für acht Uhr geplante Telefonschalte habe dann erst um 8.07 Uhr begonnen.

Telekom-Weckdienst verschläft Zeitumstellung

Doch auch wer alles richtig machen will und das Wecken den Profis überlässt, kann Pech haben. So verschnarchte vor einigen Jahren ausgerechnet der Telekom-Weckdienst die Sommerzeit.

"Etliche Menschen sind zu der alten Zeit geweckt worden", sagte eine Mitarbeiterin des Erinnerungsservice.

In Braunschweig wird dafür gesorgt, dass die Zeitumstellung bei Funkuhren korrekt abläuft. Hier hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) ihren Sitz. Sie kümmert sich mit sogenannten Atomuhren um die offizielle Zeit.

Über einen Funkturm bei Frankfurt werden sie am Sonntagmorgen rund 100 Millionen Uhren in Europa um eine Stunde zurückspringen lassen.

Doch auch wenn an der PTB alles glatt läuft, hakt es manchmal an anderer Stelle. So kann die Zeitumstellung beispielsweise dazu führen, dass man zu Unrecht geblitzt wird.

Das Problem: In Freiburg hatten vor einigen Jahren die Blitzer nicht pünktlich von Sommerzeit auf Normalzeit umgestellt, wie die "Badische Zeitung" damals berichtete. Dort galt in einigen Straßen von 22 bis 6 Uhr nur 30 statt der sonst erlaubten 50 Stundenkilometer.

Doch am Abend nach der Zeitumstellung blitzten die Messgeräte fälschlicherweise ab 21 Uhr. Reihenweise Autofahrer wurden so Opfer der verflixten einen Stunde. (dpa/eb)

[24.10.2014, 21:01:38]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Alle Züge stehen still, weil die Zeitumstellung es will"?
Wenn in der kommenden Nacht von Samstag auf Sonntag der Stundenzeiger um eine Stunde von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgedreht wird, hält die Deutsche Bahn AG für ihre Güter- und Personenzüge ein alljährliches "Schmankerl" bereit: Alle Züge bleiben in der Zeit von 2 bis 3 Uhr einfach stehen. Warum?

Tja, das wissen wir auch nicht so recht! Denn im EDV-Zeitalter von "Fuzzy-Logik", Tera- und Peta-Bytes, LCD's und LED's, DB-Hotlines und Verspätungs-Infos gibt es für die Bahn statt Verfrühungs-Infos nur e i n e einzige Lösung: Wenn die Uhren am letzten Sonntag im Oktober wieder von 02:59:59 MESZ auf 02:00:00 MEZ zurückgestellt werden und es diese Stunde zwischen 2 und 3 Uhr nachts gleich zweimal gibt, bleiben die Züge einfach stehen.

Sicher, einige Politiker haben in Berlin auch schon ernsthaft darüber nachgedacht, ob das nicht auch für Flugzeuge, Hubschrauber, Schiffe, LKW's und PKW's bzw. nachtschwärmende Fußgänger und ihre Haustiere gelten sollte? Aber diese Idee wurde verworfen, nachdem bei manchen der Groschen erst Stunden später gefallen war. Denn dann hätte man ja auch für eine Stunde Fernsehsender stilllegen bzw. Telefon, "Handy" und Internet abschalten müssen.

Kaum zu glauben ist allerdings, dass unserem Sommer-/Winterzeit-Gesetzgeber bis dato nicht aufgegangen ist, dass im Sommer das Tageslicht auch o h n e Zeitumstellung länger scheint als im Winter. Dass, wenn wir eine Stunde später aufstehen, an Winterabenden es dafür auch früher dunkel wird. Und wir damit nichts, aber auch gar nichts mehr an Helligkeit gewonnen, sondern eher verloren haben! Dass der ganze Quatsch von Energieeinsparung und weniger Straßenbeleuchtungs-Kosten einfach nur saublöde war.

Im Sommer war es auf unserer Erde seit Menschengedenken schon immer länger hell als im Winter; das gilt sogar auf der südlichen Erdhalbkugel entsprechend. Und selbst am Äquator soll es gelegentlich das Dunkel der Nacht geben. Weil wir mit unseren unsinnig-bescheuerten Zeitumstellungen den Neigungswinkel zur Sonne im Jahresverlauf glücklicherweise (noch) nicht manipulieren können, wurde in einem kollektiven Anfall von Debilität diese Zeitumstellung erfunden, um uns s e l b s t an der Nase herumzuführen: Diese Winterzeit gehört abgeschafft!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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