Ärzte Zeitung App, 06.01.2015

UKE

Wie können Mensch und Roboter interagieren?

HAMBURG. Viele Menschen verstehen sich, ohne Worte - sie kommunizieren mit Gesten oder Blicken. Ziel eines neuen, von Forschern des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) geleiteten EU-Projekts ist es, grundlegende soziale Wahrnehmungsphänomene zu verstehen und daraus Verhaltensprogramme für Roboter zu entwickeln, teilt das UKE mit.

Das Projekt mit dem Namen "Socialising Sensori-Motor Contingencies" (kurz: socSMCs) laufe vier Jahre und werde von der EU im Rahmen des Programms "Horizont 2020" mit insgesamt knapp 3,8 Millionen Euro gefördert. Auf den Standort Hamburg entfielen allein mehr als 900.000 Euro Fördergelder, so das UKE.

"Wir wollen, dass Menschen eines Tages auf eine natürlichere Art und Weise mit Robotern interagieren können als jetzt", wird Professor Andreas K. Engel zitiert, der Direktor des Instituts für Neurophysiologie und Pathophysiologie im UKE und Koordinator des EU-Projekts.

Geschicklichkeitsspiel für Testpersonen

Die UKE-Forscher haben das Ziel, dass Roboter in Zukunft sensibel werden für menschliche Bewegungen und Gesten und wie ein Mensch die Bewegungen ihres Gegenübers vorausahnen können.

"Stellen Sie sich vor, Sie wollen mit einem Roboter zusammen bei einem Umzug Möbel durch ein enges Treppenhaus tragen, selbstverständlich ohne anzuecken", sagt Engel.

"Zwei Menschen schaffen das schweigend, die Kommunikation und die Abstimmung der Bewegungen aufeinander klappen wie von selbst."

Um zu verstehen wie das funktioniert, werden die Hamburger Forscher unter anderem Teams aus Testpersonen wortlos ein Geschicklichkeitsspiel spielen lassen und gleichzeitig deren Hirnströme messen.

Die gewonnenen Daten dienen zur Untermauerung und Weiterentwicklung eines grundlegenden Konzepts zur sozialen Interaktion, dessen Anwendbarkeit für die Kommunikation mit künstlichen Systemen wie Robotern ebenfalls untersucht werden soll. Von besonderem Interesse sind für die Wissenschaftler Menschen aus dem Autismus-Spektrum.

"Wir vermuten, dass bei Menschen mit Autismus die Fähigkeit gestört ist, sich mit anderen Personen zu synchronisieren", so Engel in der Mitteilung des UKE. Und gerade diese Unterschiede könnten entscheidende Hinweise für die weiteren Forschungen liefern, so die Hoffnung der Wissenschaftler. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »