Ärzte Zeitung, 29.04.2015

Kommentar

Eine überfällige Diskussion

Von Christoph Fuhr

Gibt es eine Zwei-Klassen-Rettung für Erdbebenopfer in Nepal? Ausgerechnet Reinhold Messner und Peter Habeler, zwei Pioniere des Alpinismus, die entscheidend mit dazu beigetragen haben, dass das Extrembergsteigen zu einer Massenbewegung geworden ist, beklagen fehlende moralische Werte bei der Rettung der Überlebenden.

Ihre Botschaft: Zuerst den Nepalesen helfen, dann den Bergsteigern, denen es auch im hoch gelegenen Basislager am Mount Everest deutlich besser gehe.

Am Dienstag schien sich dieser Vorstoß bereits erledigt zu haben, die Agenturen meldeten, dass die meisten Bergsteiger inzwischen aus dem Katastrophengebiet ausgeflogen wurden. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die weltweit angereisten Rettungsteams auch den vielen einheimischen Opfern schnell und nachhaltig helfen können.

Wenn die Kameras der Welt abgezogen sind aus den Trümmern von Nepal, wenn sich die Medien neuen, spektakulären Schauplätzen zuwenden und für die Überlebenden der Neuanfang beginnt, dann wäre es dringend an der Zeit, über den Massenalpinismus und seine Auswirkungen eine breit angelegte Grundsatzdiskussion zu führen.

Es bedarf keiner prophetischen Begabung: Die Karawane zieht weiter. Diese Diskussion wird es nicht geben.

Lesen Sie dazu auch:
Nach Erdbeben in Nepal: "Wir erwarten einen ähnlichen Einsatz wie in Haiti"

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der gesundheitspolitische Parteien-Check Teil II

Wie viel Europa verträgt unser Gesundheitssystem? Im zweiten Teil unseres Parteienchecks vor der Europawahl am Sonntag zeigt sich: Die Bundestagsfraktionen sind sich uneinig. mehr »

Wenn Babys an Leukämie erkranken

Leukämie ist die häufigste Krebsart bei Kindern. Für viele ist eine Stammzelltransplantation die letzte Chance auf Leben. Doch bei Levin Gebhardt reichte eine einzige nicht aus. mehr »

Der Königsweg für den richtigen Datenschutz ist noch umstritten

Das Inkrafttreten der DSGVO jährt sich zum ersten Mal. Doch noch immer ist vielen Ärzten einiges unklar. Die Datenschützer aus Bayern tun sich mit strikten Ansichten hervor – stehen damit aber nicht allein. mehr »