Ärzte Zeitung online, 25.06.2015

Experten warnen

Nervenschäden durch hautenge Jeans

Hautenge Jeans sind bei Frauen aktuell wieder sehr angesagt. Allerdings bergen die modischen Beinkleider Gesundheitsrisiken. Eine Frau in Australien hat nach längerem Hocken in den engen Hosen Nervenschäden davongetragen.

Nervenschäden durch hautenge Jeans

Modisch, aber potenziell gefährlich: In hautengen Skinny Jeans sollte man nicht zu lange hocken, warnen Experten.

© gbrundin / iStock

ADELAIDE. Modisch, aber riskant: Eine Frau in Australien hat durch langes Hocken in knallengen Jeans ihre Muskeln und Nerven geschädigt.

Die 35-Jährige musste aus den Skinny Jeans geschnitten werden und vier Tage mit einer Infusion in einer Klinik bleiben.

Erst dann konnte sie wieder allein laufen. Ihren Fall beschreibt das Team um Professor Thomas Edmund Kimber von der Universität Adelaide im "Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry".

Die Frau hatte demnach bei einem Umzug geholfen und in der Hocke gesessen, während sie Schränke ausräumte.

Taubheitsgefühl in den Füßen

Später am Abend spürte sie ein Taubheitsgefühl in den Füßen, stolperte und fiel hin. Über Stunden hinweg habe sie keiner in der Dunkelheit bemerkt, sagte der Neurologe Kimber der Zeitung "The Sydney Morning Herald".

Sie sei schließlich zu einer Straße gekrochen und habe ein Taxi gerufen, das sie zum Royal Adelaide Hospital gebracht habe.

Ihre Waden waren so geschwollen, dass die Hose aufgeschnitten werden musste. Sie konnte ihre Knöchel und Zehen nicht mehr richtig bewegen und hatte kein Gefühl mehr unterhalb der Knie und in den Füßen.

Die Untersuchungen ergaben: Muskel und Nervenfasern in den Unterbeinen waren durch das lange Zusammendrücken geschädigt.

Die enge Jeans habe die Symptome verstärkt. "Wir waren sehr erstaunt und geschockt. Es war eine Überraschung für uns, dass jemand von der Tätigkeit, die sie beschrieb, so schwere Nerven- und Muskelschäden bekommen konnte. Die Kleidung, die sie trug, war der kritische Punkt", sagte Kimber.

Symptome wie nach Brüchen und Ergüssen

Die Hose hat demnach ein Kompartmentsyndrom ausgelöst, bei dem Gewebe schwillt, ohne sich ausdehnen zu können.

Dies kann ansonsten nach Brüchen oder Blutergüssen auftreten. Dabei können Muskeln und durch deren Abbauprodukte auch die Nieren geschädigt werden.

Bei der 35-Jährigen war laut Kimber die Blutzufuhr zu den Wadenmuskeln abgeschnitten. "Infolgedessen schwollen die Muskeln so stark, dass sie gegen zwei Hauptnerven in ihrem Unterbein drückten, und das verursachte die Schwäche und Taubheit in ihren Füßen."

Die Nieren der Frau funktionierten normal. Die Schwellungen in den Beinen schwanden innerhalb von drei bis vier Tagen, die Nervenfunktionen verbesserten sich.

Fall stellt neue Dimension dar

Die Infusion war den Ärzten zufolge nötig gewesen, um etwaige schädliche Proteine auszuschwemmen.

Eine solche Kombination aus Schäden der Waden- und Schienbeinnerven sei noch nie nach längerer Haltung in der Hocke beschrieben worden, berichten die Mediziner.

"Dieser Fall stellt eine neue neurologische Komplikation des Tragens von engen Jeans dar." Dies sei jedoch kein Grund, die Skinny Jeans nun wegzuschmeißen, sagte Kimber.

Derartige Schäden gebe es nur, nachdem man sich eine ganze Zeit lang hinhocke. (dpa)

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