Ärzte Zeitung, 12.05.2016

Traumjob

Ein Profi-Fußballer wird Arzt

Profi-Fußballer Tim Göhlert aus Heidenheim tauscht sein Trikot gegen einen Arztkittel. Und erfüllt sich damit einen Lebenstraum.

Von Nikolai Huland

HEIDENHEIM. Tim Göhlert hat genug vom Profifußball. Mit 31 Jahren macht er Schluss damit, tauscht das blau-rot-weiße Trikot von Zweitligist 1. FC Heidenheim gegen einen weißen Kittel und wechselt vom Rasen in die Praxis. Göhlert wird Arzt - sein Traumberuf. "Das wollte ich schon immer werden", sagt er.

Berufsfußballer ist er nur auf Umwegen geworden. Parallel zum Studium hat er fast immer gekickt, sein Aufstieg begann aber erst mit dem Wechsel nach Heidenheim vor über zehn Jahren. "Schon als Kind habe ich alles mit viel Ehrgeiz gemacht. Ich wollte immer im Fußball und in der Schule gut sein", berichtet er.

Göhlert spielt seit 2005 beim 1. FC Heidenheim. Von der Oberliga bis zur 2. Bundesliga bestritt er über 300 Partien für den FCH, in Ulm studierte er zwölf Semester Medizin. Der FCH stieg immer weiter auf und Göhlert immer weiter mit. Eigentlich war er nur wegen des Studiums nach Baden-Württemberg gezogen.

Trotz Examen kein Training verpasst

Während der Prüfungen zum Staatsexamen habe er kein Training verpasst, erzählt sein Trainer Frank Schmidt. Vielen Ex-Profis fällt der Schritt aus dem aktiven Sport ins konventionelle Berufsleben nicht leicht. Längst nicht alle werden erfolgreiche Trainer, Funktionäre oder Spielerberater. Kaum jemand findet einen Beruf außerhalb der Fußballwelt.

1,5 Prozent der Berufskicker haben einen Studienabschluss, wie eine Studie der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) im vergangenen Jahr ergab. 70 Prozent der befragten Spieler hatten Abitur oder Fachabitur, 14 Prozent eine Berufsausbildung. Arzt wie Göhlert wurden nur wenige Spieler. Der ehemalige Nationalspieler Hans-Josef Kapellmann ging als Orthopäde mal nach Saudi-Arabien.

Etwas kuriosere Karrieren nach der Karriere legten der Ex-Dortmunder Knut Reinhardt und der frühere Profi-Stürmer Nico Patschinski hin. Während Reinhardt Grundschullehrer wurde, arbeitete Patschinski zunächst als Paketbote, dann als Bestatter. "Man sollte gehen, wenn es noch schön ist und bevor es weniger schön wird", sagt Göhlert. In dieser Saison kam er bisher in elf Spielen zum Einsatz, oft nur in der Schlussphase.

Für den Verteidiger war das hart, wie er zugibt. Aber auch seine zwei Kinder waren ein Grund für den Abschied vom Fußball. Als Profi habe man selten frei, wenn Geburtstage oder Hochzeiten gefeiert werden. Vom Sommer an wird er in einer Praxis in Heidenheim mitarbeiten, mit dem Ziel, sie in vier Jahren zu übernehmen und bis dahin den Facharzt in Arbeitsmedizin zu machen.

Ob es davor zu einem letzten Einsatz für den FCH kommt, ist nicht sicher. Nach dem Spiel gegen den VfL Bochum am Sonntag soll der Verteidiger zwar offiziell verabschiedet werden. Doch ein Abschiedseinsatz ist fraglich: Göhlert ist seit Tagen grippekrank. (dpa)

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