Ärzte Zeitung, 06.06.2016

Forschungsprojekt

Fluglärm im Kinderzimmer

Was passiert mit Kindern, wenn nachts Flugzeuge über die Wohnhäuser donnern? Um das herauszufinden, blicken Forscher in die Kinderzimmer.

Fluglärm im Kinderzimmer

Wie beeinflusst Fluglärm den Schlaf von Kindern? Das wollen Forscher vom DLR wissen.

© Manuela Klopsch / fotolia.com

KÖLN / SIEGBURG. Die Wissenschaft weiß so gut wie nichts darüber, was nächtlicher Fluglärm mit dem Schlaf von Kindern macht, stellt Psychologin Susanne Bartels vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) fest. Es gebe bisher nur wenige Studien. Das soll sich nun ändern.

Denn für eine aktuelle Analyse, die in diesem und im nächsten Jahr Messungen von Juni bis Oktober durchführt, schaut sie gemeinsam mit DLR-Experten in der Flughafen-Region Köln/Bonn in 50 Kinderzimmer. Die Wissenschaftler wollen genau untersuchen: Was passiert mit den Kindern, wenn in der Nacht die Maschinen über die Häuser fliegen?

An vier Nächten hintereinander werden Jungen und Mädchen an Messinstrumente angeschlossen, die Herzschlag, Hirnströme, Augen- und Muskelbewegungen messen. Gleichzeitig nimmt ein Mikrofon am Ohr der Kinder den Fluglärm auf.

So soll getestet werden, ob nächtlicher Fluglärm zu einem Leistungseinbruch am Morgen führt. In einem Reaktionszeittest wird morgens die geistige Leistungsfähigkeit der Kinder gemessen. Außerdem werden die Kinder morgens befragt, wie sie ihren Schlaf und den Fluglärm in der Nacht erlebt haben.

Stört Fluglärm den Kinderschlaf?

Aus den Daten wollen die Forscher den Zusammenhang zwischen Fluglärmbelastung und Schlafverhalten ablesen. Wie oft wachen die Kinder vom Fluglärm auf? Wann wechseln sie vom tieferen Schlaf in einen flacheren Schlaf?

Das wird auch Barbara Bosbach interessieren. Zwar scheint für die Mutter von drei Kindern auf dem ersten Blick alles okay: Ihre vierjährige Tochter schläft vielleicht ein bisschen spät ein. Aber ihre drei Kinder werden vom Fluglärm in der Nacht nicht wach. Die Familie wohnt in Siegburg in der Ein- und Abflugschneise des Flughafens Köln/Bonn.

"Zwischendurch hat man schon ein blödes Gefühl, wenn man liest, welche Spätfolgen Fluglärm haben kann: Herz-Kreislauf-Beschwerden und Bluthochdruck", sagt die Mutter. Sie hätte gerne ihre älteste Tochter (7) für die DLR-Studie angemeldet. Aber die Kinder müssen acht bis zehn Jahre alt sein. Vielleicht ist die Tochter im nächsten Jahr dabei.

Den Studienstart machten zwei neunjährige Kinder. Eins davon lebt in Lohmar genau in der Haupteinflugschneise, das zweite lebt etwas weiter entfernt östlich vom Flughafen. Die Überflughöhen liegen nach Angaben der DLR bei bis zu 500 Meter. (dpa)

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