Ärzte Zeitung online, 24.06.2016
 

Sexy Cora

Schönheitsklinik muss „Sexy Cora“-Witwer hohen Schadenersatz zahlen

Pornodarstellerin „Sexy Cora“ - bürgerlich Carolin Wosnitza - ist als „Big Brother“-Kandidatin einem breiteren Publikum bekannt geworden. Sie starb später bei einer Schönheits-OP. Der Witwer verlangt Schadenersatz - nun hat ein Gericht entschieden.

HAMBURG.Fünfeinhalb Jahre nach dem Tod der Pornodarstellerin „Sexy Cora“ bei einer Schönheitsoperation ist eine Hamburger Klinik zu einer hohen Schadenersatzzahlung verurteilt worden. Wie eine Zivilkammer am Landgericht Hamburg am Freitag verkündete, müssen die Klinik und die Narkoseärztin dem 31 Jahre alten Witwer eine Summe zwischen 140 000 und 824 000 Euro zahlen.

 In dem Betrag sind Unterhaltszahlungen, Schmerzensgeld, Behandlungs- und Beerdigungskosten enthalten. Für die Jahre von 2013 bis 2022 soll der Witwer eine monatliche Zahlung von 5733 Euro erhalten. Auf diesen Betrag werden eigene Einkünfte des Klägers angerechnet, darum schwankt die mögliche Gesamtsumme sehr stark. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig (Az: 303 O 173/14).

Carolin Wosnitza, wie „Sexy Cora“ mit bürgerlichem Namen hieß, war einem breiteren Publikum im Jahr 2010 als „Big Brother“-Kandidatin im Fernsehsender RTL II bekannt geworden. Im Januar 2011 wollte sie sich zum fünften Mal die Brüste vergrößern lassen. Während der OP erlitt die 23-Jährige aufgrund von Sauerstoffmangel schwerste Hirnschäden, an denen sie wenige Tage später starb.

Gericht: Sexy Cora hätte noch bis Mitte 30 als Pornodarstellerin arbeiten können

Ihr Mann Tim war auch ihr Manager und lebte von ihren Einnahmen. Vor allem der Wegfall dieser Unterhaltszahlungen motivierte ihn zu der Klage. Die an der Operation beteiligte Narkoseärztin war 2013 vom Landgericht wegen fahrlässiger Tötung zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Zivilkammer kam in ihrer Beweiserhebung ebenfalls zu dem Ergebnis, dass der Anästhesistin gravierende Fehler unterlaufen seien.

 Erst als sich die Haut der Patientin ungewöhnlich verfärbte, habe sie auf den Monitor geschaut und die Nulllinie der Herzfrequenz bemerkt, sagte der Vorsitzende Richter Hermann Antony. Zu dem Zeitpunkt sei nach Einschätzung eines Sachverständigen bereits eine unumkehrbare Hirnschädigung eingetreten.

Für diesen Fehler müssten die Narkoseärztin und die Klinik haften. Die Klage gegen den operierenden Arzt wies das Gericht ab. Er habe nur bei der Reanimation der Patientin Fehler gemacht, aber zu dem Zeitpunkt seien die Hirnschäden bereits eingetreten gewesen. Bei der Berechnung der Tim Wosnitza zustehenden monatlichen Geldrente ging die Zivilkammer davon aus, dass seine Frau noch bis Mitte 30 als Pornodarstellerin hätte arbeiten können.

Witwer: Sie hätte noch bis 60 arbeiten können

Der Witwer hatte geltend gemacht, sie hätte bis zum Alter von über 60 Jahren auf diese Weise Geld verdienen können. Die Kammer schätzte die Chance, im Pornogewerbe mit über 30 arbeiten zu können, als gering ein.

„Das ist eine Branche, die vom Wandel lebt. Ich kann's verkürzen: neue Gesichter, neue Körper“, sagte Richter Antony. Nur in seltenen Ausnahmen könnten Darstellerinnen später hinter der Kamera arbeiten.

Das Gericht setzte für die Jahre 2011 und 2012 eine Entschädigung von 75 400 Euro fest. Für die Zeit vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2022 - Carolin Wosnitza wäre dann 35 Jahre alt gewesen - habe der Witwer einen Anspruch auf monatlich 5733 Euro. Darauf sei aber sein eigenes Einkommen zum Teil anzurechnen. Warum Tim Wosnitza dann noch arbeiten gehen sollte, fragte der Richter selbst und antwortete: „Sollte er dies nicht tun, wird man ihm das um die Ohren hauen.“

 Ein solches Verhalten wäre „treuwidrig“. Antony fügte hinzu: „Eins ist sicher, dass es über diesen Punkt zwischen den Parteien trefflich Streit geben wird. Möglich, dass wir uns bald wiedersehen.“ Nach der missglückten Operation hatte Carolin Wosnitza noch neun Tage im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Koma gelegen.

 Für diese Zeit erkannte das Gericht dem Witwer ein Schmerzensgeld von 7500 Euro zu. Auch die dort entstandenen Behandlungskosten von knapp 34 000 Euro sowie die Beerdigungskosten von 20 000 Euro müssen die Schönheitsklinik und die Narkoseärztin erstatten. Sie müssen ferner für Anwaltskosten von Tim Wosnitza in Höhe von 5500 Euro aufkommen.

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