Ärzte Zeitung, 24.11.2016

"Liebe ist für mich wie Russisches Roulette"

Das Vermächtnis des Freddie Mercury

Freddie Mercury war privat ein schüchterner Typ, der sich auf der Bühne in einen "tanzenden Derwisch" verwandelte: Vor 25 Jahren starb der legendäre Queen-Sänger. Sein Tod löste erstmals eine Aids-Debatte aus – und befeuerte die Spendenbereitschaft.

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Nur einen Tag nach seinem öffentlichen Aids-Geständnis starb Freddie Mercury (r).

© Hanne Jordan/ picture alliance

LONDON. Am 20. April 1992 verwandelte sich das Londoner Wembley-Stadion in ein wogendes Meer aus Armen. 72.000 dicht gedrängte Fans – und schätzungsweise eine Milliarde Fernsehzuschauer – gedachten mit einem Abschiedskonzert eines Mega-Stars: Freddie Mercury.

Rund fünf Monate zuvor war der Sänger der legendären Rockgruppe Queen gestorben. Sein Todestag, der 24. November 1991, jährt sich an diesem Donnerstag zum 25. Mal.

Unvergesslich sind die Mega-Stadientouren von Queen vor Hunderttausenden von Fans. Der im wahren Leben eher schüchterne und schmächtige Freddie Mercury mit Riesen-Schnauzer und Überbiss verwandelte sich auf der Bühne in einen tanzenden Derwisch mit nacktem Oberkörper, gen Himmel geballter Faust und anzüglich wirbelndem Mikrofonständer.

Er hatte sein Publikum völlig in der Hand, wie seine Biografin Lesley-Ann Jones beobachtete: "Das war, was er brauchte, ein gewaltiges Publikum, das völlig mit ihm im Einklang war. Die Musik befreite Freddie."

Extravagante Rockopern

Genauso extravagant wie seine als Rockopern inszenierten Bühnenshows war Mercurys Privatleben. "In ein leeres Schlafzimmer zu kommen, ist sein Alptraum", sagte einmal ein Freund über ihn.

Fans wie Freunde rätselten lange Zeit über seine sexuelle Ausrichtung – er selbst sagte nie etwas dazu. Vielleicht hätten sich viele konservative Anhänger sonst abgewendet?

Aber er machte Andeutungen. Im Video für "I Want To Break Free" inszeniert er sich und die Band als Hausfrauen verkleidet. Und die bombastische, manchmal alberne "Bohemian Rhapsody" (1975) ist für viele sein verstecktes Coming-Out.

Mercury weigerte sich stets, den Song zu interpretieren: "Ich denke, er verliert seinen Mythos und ruiniert eine Art Mystik, die Menschen darum aufgebaut haben." Vielleicht ist genau diese wandelbare Projektionsfläche und der vielschichtige musikalische Aufbau der "Rhapsody" der Grund dafür, dass er zum besten Song aller Zeiten gewählt wurde.

"Gewaltige Spekulationen"

Am 23. November 1991 erschien dann eine Meldung, die weltweit Millionen Menschen in tiefe Bestürzung versetzte: "Nachdem ich die gewaltigen Spekulationen der Presse in den letzten zwei Wochen verfolgt habe, möchte ich hiermit bestätigen, dass ich positiv auf HIV getestet wurde und Aids habe", hieß es in der von Mercury herausgegebenen Mitteilung.

Und dass nun die Zeit gekommen sei, "meinen Freunden und Fans auf der ganzen Welt die Wahrheit zu sagen, und ich hoffe, dass jeder meinen Ärzten und all jenen weltweit, im Kampf gegen diese schreckliche Krankheit beisteht."

Nur einen Tag später starb Freddie Mercury, damals 45 Jahre alt, in seinem Haus im Londoner Stadtteil Kensington an einer Lungenentzündung.

Mercurys Tod löst erste Aids-Debatte aus

Zwar waren mit dem Schauspieler Rock Hudson (1985), dem Fotografen Robert Maplethorpe (1986) und dem Künstler Keith Haring (1990) schon andere Prominente vor Mercury an Aids gestorben und folgten ihm andere wie der Tänzer Rudolf Nurejew (1993), der Tennisspieler Arthur Ashe (1993) und der Fotograf Herb Ritts (2002) nach.

Doch niemandes Tod bescherte dem Thema Aids eine solch große Aufmerksamkeit wie der des vor 25 Jahren gestorbenen Sängers von Queen.

Mercury kostete den Ruhm zeit seines Lebens in vollen Zügen aus, wozu außer Drogen immer auch wechselnde Liebschaften zählten. Daraus machte er kein Geheimnis. "Liebe ist für mich wie Russisches Roulette", soll er einmal gesagt haben. "Ich kann das nicht kontrollieren."

Stiftung sammelt Millionen Im Kapmf gegen Aids

Als er am 24. November 1991 um 19 Uhr stirbt, trauern in aller Welt Millionen Menschen um ihn. Das berühmte weltweit übertragene Konzert am 20. April 1992 im Londoner Wembley-Stadion – das Freddie Mercury Tribute Concert for Aids – war die finanzielle Basis für den Mercury Phoenix Trust.

Mit Hilfe dieses Fonds sind im Laufe vieler Jahre 15 Millionen Dollar für den Kampf gegen Aids investiert worden. Am Genfer See, wo der Musiker viele seiner berühmten Songs aufgenommen hat, erinnert heute eine Statue an ihn. (dpa/smi)

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