Ärzte Zeitung, 15.02.2017

Verein Armut und Hilfe

Hilfe von Mainz bis nach Syrien

Medizinische Geräte, Naht- und Verbandsmaterial: Professor Gerhard Trabert sammelt Spenden für ein syrisches Krankenhaus. Die Hilfsgüter liefert er persönlich ab.

Von Anne Zegelman

Von Mainz nach Syrien: Hilfe für Klinik

Die dringend benötigten Hilfsgüter werden im Akra-bat-Hospital im syrischen Idlib entladen.

© privat

MAINZ / IDLIB. Die braunen Kartons sehen unauffällig aus, doch ihr Inhalt ist für die Empfänger und vor allem ihre Patienten unbeschreiblich wichtig. Die Kisten enthalten ein Dermatom für Hauttransplantationen, einen Elektrokauter, einen DermaJet, Naht- und Verbandsmaterial. Dinge, die in deutschen Kliniken selbstverständlich zur Ausrüstung gehören.

Dr. Mouheb Kaddor und sein Team erwarten die Lieferung dagegen sehnsüchtig. Im Akra-bat-Hospital in Idlib, einer zum Krankenhaus umgebauten Polizeistation, versorgen sie seit Beginn des Kriegs in Syrien Kinder, Frauen und Männer. Am Tag werden bis zu 30 Operationen durchgeführt, im Monat 800 bis 1000. Dabei fehlt oft das Allernötigste.

Von Mainz nach Syrien: Hilfe für Klinik

Die Hilfsgüter unbeschädigt in der Obhut der UOSSM in Syrien angekommen.

© privat

 

Der Mainzer Professor Gerhard Trabert, Sozialmediziner und Vorsitzender des Vereins "Armut und Gesundheit", setzt sich seit langem für seine syrischen Kollegen ein. Er wird nicht müde, auf die medizinischen Probleme im Kriegsgebiet hinzuweisen. Immer wieder hat er Kontakt zu syrischen Ärzten und berichtet in Deutschland von dem Grauen, das sie erleben. Nun hat er erneut Spenden gesammelt und die so finanzierten medizinischen Hilfsgüter kurz vor Jahresende persönlich ausgeliefert.

Probleme an der Grenze

An der türkisch-syrischen Grenze wollte er sie an Dr. Kaddor, Arzt am Akra-bat-Hospital in Idlib, übergeben. Dabei stieß er allerdings auf Probleme: "Eine direkte Übergabe war nicht möglich, weil der Grenzübertritt durch die Behörden verhindert wurde", berichtet Trabert der "Ärzte Zeitung" nach seiner Rückkehr.

Dass die dringend benötigten Hilfslieferungen schließlich doch noch über die Grenze gelangten, sei vor allem dem Einsatz von UOSSM zu verdanken, einer internationalen Hilfsorganisation syrischer Ärzte, so Trabert. Der syrische Chirurg habe die Kisten einige Tage später entgegennehmen können. "In einer Videobotschaft hat Dr. Kaddor sich bei allen Spendern, Helfern und Beteiligten bedankt", sagt Trabert. "Und er hat berichtet, dass die neuen Operationsgeräte bereits am selben Tag zum ersten Mal eingesetzt werden sollen."

Ein Lichtblick für den Verein, der auch immer wieder Rückschläge in der Hilfsarbeit hinnehmen muss. So erfuhr Trabert im Oktober, dass ein im April gespendeter Krankenwagen in Aleppo bei einem russischen Luftangriff zerstört worden war, der darin tätige Arzt starb. "Ich habe den Kollegen, der getötet wurde, im April kennengelernt", so Trabert. "Wir trauern um die Opfer dieses Krieges, speziell um diesen Arzt und seinen Patienten. Wir dürfen aber nicht aufhören, etwas gegen dieses Unrecht zu tun."

Etwas tun, das möchten Trabert und seine Unterstützer unter anderem auch, indem sie zu Partnerschaften mit Krankenhäusern und Gesundheitszentren in Syrien aufrufen. Konkret gehe es nicht nur darum, Solidarität zu zeigen, sondern auch darum, in Deutschland über die Situation im syrischen Partnerkrankenhaus zu informieren.

Von Deutschland aus unterstützen

Darüber hinaus könnten die Partner medizinische Behandlungsgeräte, Verbandsmaterial und Medikamente nach Syrien liefern, schlägt Trabert vor. Wenn möglich, sollte in Syrien tätigen Ärzten die Möglichkeit gegeben werden, Fortbildungen in Deutschland oder im sicheren Grenzgebiet zu geben. Auch eine Online-Fortbildung sei möglich.

Der Verein "Armut und Gesundheit" steht seit über drei Jahren in Kontakt zu Ärzten und Gesundheitseinrichtungen in Syrien sowie Flüchtlingseinrichtungen in Grenzregionen der Türkei und im Libanon. In Mainz betreibt Professor Trabert die Medizinische Ambulanz ohne Grenzen, eine Art Poliklinik für sozial benachteiligte Patienten ohne Krankenversicherung. Für seine Arbeit erhielt er unter anderem das Bundesverdienstkreuz.

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