Ärzte Zeitung online, 25.01.2017
 

Späte Geburt

Trend zum Kind mit über 40

Zehntausende Frauen bekommen auch dann noch Kinder, wenn sie schon über 40 sind. Mehr als 2000 Neugeborene hatten 2015 eine Mutter über 45 Jahre. Auch die Zahl der Geburten bei Über-50-Jährigen steigt.

Trend zum Kind mit über 40 wächst

Mutter oder Großmutter, zwei Kinder oder Enkel? 2268 Kinder, die 2015 geboren wurden, hatten Mütter, die 45 Jahre oder älter waren.

© Allisija / Fotolia

WIESBADEN/MAINZ. Für Eric Breitinger war es eine zwiespältige Erfahrung. Der Schweizer wuchs mit Eltern auf, die seine Großeltern hätten sein können. Miriam S. hat sich bewusst für späte Elternschaft entschieden, mit knapp 40 wurde sie noch einmal Mutter. Woher kommt der Trend und wie geht es den Kindern damit?

Während medizinische Möglichkeiten und biologische Risiken häufig diskutiert werden, wird das Thema späte Elternschaft seltener soziologisch und psychologisch betrachtet.

2268 Kinder, die 2015 geboren wurden, hatten Mütter, die 45 Jahre oder älter waren. Im Jahr 2000 hatten nur 706 Neugeborene eine Mutter in diesem Alter, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. "Seitdem stiegen die Geburten in dieser Altersgruppe kontinuierlich", erklärt Fachreferentin Anja Conradi-Freundschuh.

Popgrößen machen es vor

Vor wenigen Wochen brachte US-Popsängerin Janet Jackson ihr erstes Kind zur Welt – mit 50 Jahren. Die italienische Rocksängerin Gianna Nannini war sogar 54, als sie zum ersten Mal Mutter wurde. US-Schauspielerin Geena Davis wurde mit 47 Jahren Mutter von Zwillingen. Ihre deutsche Kollegin Ute Lemper war beim zweiten Kind 48, Ex-First-Lady Cherie Blair beim vierten Kind 45 Jahre alt.

Der Schweizer Autor Eric Breitinger hat für sein Buch "Späte Kinder" mehr als zwei Dutzend Nachkommen betagter Eltern interviewt. Seine eigenen Eltern waren bei seiner Geburt 46 und 48 Jahre alt. "Spät geboren zu sein, hat Vor- und Nachteile. Auf jeden Fall prägt es für das ganze Leben", schreibt Breitinger. Die Berichte der Befragten deckten sich oft mit seinen eigenen Erfahrungen.

Alte Mütter und Väter seien häufig psychisch stabiler und gelassener, glaubt er. "Und sie erleben die späte Elternschaft als großes Glück". Die Eltern seien oft finanziell besser abgesichert und hätten mehr Zeit als junge Eltern, die "im Mehrkampf des Lebens in vielen Disziplinen gleichzeitig kämpfen müssen".

Ihn selbst brachte das später in eine "Sandwichposition": Als seine eigene Tochter klein war, musste er sich um seinen todkranken Vater kümmern. In der Pubertät fand er es schwierig, dass seine Eltern andere Werte vertraten als er.

Wie viele Kinder später Eltern wuchs auch Breitinger ohne Geschwister und ohne Großeltern auf und war dadurch "stark auf Erwachsene und weniger auf Gleichaltrige bezogen".

Mütter ab 40 – ein Massenphänomen?

2015 hatten in Deutschland 34.000 Neugeborene eine Mutter, die zwischen 40 und 44 Jahre alt war. Auch in der Altersgruppe "50 Jahre und älter" steigt die Zahl der Geburten: 134 Neugeborene hatten 2015 in Deutschland eine so alte Mutter; im Jahr 2000 waren es erst 23.

Im europäischen Vergleich ist Deutschland beim Thema späte Mutterschaft Durchschnitt. Betrachtet man mit Eurostat den Prozentsatz der Neugeborenen, deren Mütter über 40 sind, liegen Italien mit knapp zehn Prozent und Spanien mit knapp neun Prozent vorn. In Deutschland sind es um die fünf Prozent. Viele osteuropäische Staaten haben Werte um drei Prozent. (dpa)

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