Ärzte Zeitung, 30.01.2017
 

Himalaya

Sonnenbrillen am Everest

In den extremen Höhen des Himalaya ist die intensive UV-Strahlung eine Dauerbelastung für die Menschen, besonders für ihre Sehfähigkeit. Deshalb unterstützt der Münchner Jürgen Altmann Augencamps des Tilganga Institute of Ophthalmology und gründete die Präventions-Initiative "Shades of Love".

Von Christina Bauer

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Ein Koffer auf dem Motorrad: Jürgen Altmann verteilt Sonnenbrillen im Himalaya.

© Jean Nerva

MÜNCHEN. "The Himalayan Eyewear Project" – der Untertitel der Initiative "Shades of Love" klingt fast, als handle es sich um eine Firma für Designer-Brillen. Initiator Jürgen Altmann hat aber etwas anderes vor. Der Gastronom, seit 18 Jahren mit seiner Aroma Bar im Münchner Glockenbachviertel angesiedelt, möchte Sonnenbrillen dorthin bringen, wo sie dringend notwendig und schwer zu bekommen sind: in den Himalaya.

"Die Menschen, die ich vor allem erreichen möchte, sind diejenigen in den abgelegensten Bergregionen, in 4000 bis 5000 Metern Höhe, teilweise sogar noch höher", berichtet er in seinem Lokal im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Dort oben in dieser Gebirgswüste ist die Sonne weit intensiver als anderswo. Die Bewohner arbeiten meist den ganzen Tag draußen auf ihren Feldern und sind der UV-Strahlung dadurch ständig ausgesetzt.

"Wilde Bedingungen"

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Freuen sich über neue Sonnenbrillen: Frauen in Ladakh profitieren von der Initiative „Shades of Love“.

© Jürgen Altmann

Wozu das führen kann, sah der Münchner bei seinem ersten, dreimonatigen Himalaya-Besuch 2004. "Damals war ich in Ladakh für eine buddhistische Non-Profit-Organisation tätig", berichtet er. "Dort war ein Krankenhaus angeschlossen, sodass ich auch ein Augencamp begleiten konnte." Die Operationen fanden, wie er sagt, "unter den wildesten Bedingungen" statt, waren aber reichlich nachgefragt.

Damit die vielen von Augenentzündungen, Katarakten und anderen Krankheiten Betroffenen versorgt werden können, gebe es in der nordindischen Region Ladakh seit Längerem mobile Augencamps, organisiert von Hilfsorganisationen und Ärzten. 2016 fand, wie Altmann berichtet, schon zum dritten Mal ein kostenloses, groß angelegtes Screening-Camp statt. 5000 Screenings in vier Wochen – ein neuer Rekord. "Am Krankenhaus in der Hauptstadt Leh wurde dann ein viertägiges Surgery Camp organisiert", so der Münchner. Das war der Einsatz für Dr. Sanduk Ruit, 61, vom Tilganga Institute of Ophthalmology (TIO), einer großen Augenklinik in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Für seine Technik der Small Incision Cataract Surgery benötigt er nur wenige Minuten pro Op, dann hat der Patient eine neue, intraokuläre Linse. Allein bei diesem Camp konnte der Arzt, unterstützt von einem vierköpfigen Team, 300 Patienten operieren.

Im Jahr 2009 hatte Altmann die Idee zu "Shades of Love". Eine Sammelbox in der Bar, Abklappern einiger Optiker, dann konnte er per Motorrad die ersten 300 Brillen verteilen. Seitdem wächst sein Helfer-Netzwerk, längst wird auch in anderen Städten und Ländern gesammelt. Kooperierende Optiker reinigen die Brillen und prüfen den UV-Schutz. Inzwischen pflügen in Ladakh etwa 10 000 Bauern bebrillt ihre Acker, ihre Kinder tragen die Brillen schon zum Spielen. Altmann denkt weiter.

Jetzt geht's nach Nepal und Bhutan

Auch in Nepal sind schon 4000 Brillen verteilt. Nächste Ziele: Bhutan und Tibet. Den Gesamtbedarf schätzt er auf 200 000 Brillen. Mehr Versand-Sponsoren, Hüllen mit Bildsprache-Anleitung zu Verwendung und Pflege, Workshops – der Münchner hat viele Ideen, um die Aktion noch zu verbessern. Abiturient Niklas Huppmann übernimmt nun in diesem Jahr die Anden. Die ersten hundert Brillen für Bolivien, Chile und Peru spendete ein Sponsor. Titel: "The Andean Eyewear Project".

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