Ärzte Zeitung online, 29.03.2017

Berlin

Mit High-Tech-Giftködern gegen die Rattenplage

Immer mehr Ratten leben in der Hauptstadt. In Berlin-Mitte wird sogar ein Spielplatz geschlossen. Die Schädlingsbekämpfer sind im Großeinsatz und setzen auf supermoderne Fallen.

Mit High-Tech-Giftködern gegen die Rattenplage

Rattenfalle mit Giftpaket. Der Deckel samt Paket werden auf ein Gefäß gesetzt. Die Ratten werden durch ein Loch im Boden der Falle vom Duft ins Innere gelockt.

© Paul Zinken/dpa

BERLIN. Manchmal sieht man sie im Halbdunkel über die Straße huschen, mal an Mülltonnen und in Parks. Eine niedrige einstellige Millionenzahl an Ratten tummelt sich nach Schätzungen in Berlin, aber genau weiß es niemand.

Einen Anhaltspunkt für den Aufwand, den sie mit sich bringen, gibt eine aktuelle Statistik des Schädlingsbekämpfer-Verbandes. Darin sind für das vergangene Jahr 11 680 Rattenbekämpfungen ausgewiesen – nur etwas weniger als im bisherigen Rekordjahr des Verbandes 2015 mit 12 245 Einsätzen gegen Ratten.

Die Zahlen des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) über von Gesundheitsämtern beauftragte Einsätze fallen niedriger aus. Für 2016 seien 9114 Rattenbekämpfungen dokumentiert, sagt Sprecherin Silvia Kostner. Für Schädlingsbekämpfer Mario Heising ist auch die Statistik seines Verbandes, die auf der Arbeit von 21 Mitgliedsbetrieben beruht, nur die Spitze des Eisbergs: "Die Zahlen muss man für Berlin fast verdreifachen", betont er angesichts weiterer Schädlingsbekämpfer außerhalb des Verbands.

Pizza und Picknickreste

Rattenbefall ist auch international ein typisches Großstadtphänomen. Gerade Städte mit viel Wasser wie New York gelten als besonders betroffen – in Deutschland ist Berlin mit der Spree im Herzen der Stadt wohl die Rattenhauptstadt. Die Nager lieben Ufer wie am Kreuzberger Landwehrkanal, wo viele Erholungssuchende abends zum Beispiel Pizzaschachteln und Picknickreste liegen lassen.

Wie sich die Lage über die Jahre entwickelt hat, ist schwer zu beurteilen. Derzeit scheint anhand der vorhandenen Zahlen ein hohes Niveau erreicht – in früheren Jahren lagen dem Verband allerdings nur Zahlen von weniger Betrieben vor. In den Lageso-Daten sind noch andere Trends ersichtlich: Das Meldeverhalten unterscheide sich von Bezirk zu Bezirk, nimmt Heising an.

Bauarbeiten gelten in den Innenstadtbezirken als einer der Hauptgründe dafür, dass Ratten aus dem Untergrund aufgeschreckt und daher häufiger gesichtet werden. Hinzu kommen die Nähe zur Spree und die Hinterlassenschaften auf Straßen und in Parks - Müll und Speisereste, über die sich Ratten freuen.

Seit Mitte März können Kinder nicht mehr auf dem Spielplatz am Nauener Platz in Mitte toben – er ist wegen Ratten gesperrt, für vier bis sechs Wochen. Die Tiere können zahlreiche Krankheiten übertragen, darunter Salmonellose. Eine mögliche Ansteckungsquelle ist Rattenkot im Sandkasten. Während Schädlingsbekämpfer meist auf Giftköder setzen, erproben die Berliner Wasserbetriebe auch andere Mittel, um die unerwünschten Gäste aus der Kanalisation umzubringen, wie etwa Schlagfallen.

High-Tech-Giftköderboxen

Dabei bricht ein Bolzen Ratten das Genick. 1245 Mal hätten 19 Geräte rund um die Treptowers im vergangenen halben Jahr zugeschlagen, erklärte der Sprecher der Wasserbetriebe, Stephan Natz. Mit dem Bekämpfungserfolg würden die Geräte dort in Zukunft auf 12 reduziert.

Seit Ende 2016 setzen die Wasserbetriebe zudem testweise High-Tech-Giftköderboxen ein, bei denen Rattengift unter einer Glocke abgegeben wird, erläuterte Natz. Dabei ist ein Zähler integriert ebenso wie ein Überflutungsschutz: Steigt der Wasserpegel, schließt sich die Glocke, der Köder bleibt unversehrt. Die nächste Ratte kommt bestimmt. (dpa)

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