Ärzte Zeitung online, 03.07.2017
 

Fußballspieler Thomas Zampach

Nierenspende durchs Schlüsselloch

Der frühere Frankfurt- und Mainz-Spieler Thomas Zampach hat seinem Bruder eine Niere gespendet. Die Entnahme erfolgt mittlerweile minimalinvasiv.

Von Marco Mrusek

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Die Brüder Thomas (l) und Paul Zampach. Thomas spendete seinem Bruder eine Niere, Funktionseinschränkungen habe er keine, betont er.

© Christian Schultz / dpa

FRANKFURT / MAIN. Seit Thomas Zampach seine Profi-Fußballkarriere 2001 beendet hat, unterrichtet er Doppelpässe nur noch als Trainer des Frankfurter Vereins SV 1919 Zeilsheim. Doch im letzten Jahr bekam er einen ungewöhnlichen Doppelpass zurückgespielt, wie Zampach es formuliert: einen Pass von seinem älteren Bruder. Paul Zampach leidet seit seinem 28. Lebensjahr an einer Nierenerkrankung und benötigte eine Spenderniere. Da Paul ihn unterstützt hatte, als bei Thomas im Kindesalter Lymphdrüsenkrebs entdeckt wurde, war er froh, seinem Bruder etwas zurückzugeben, "den Doppelpass zurückzuspielen", wie er sagt.

Von der Pizza zur Niere

Fünf Jahre war Paul Zampach von der Bauchfelldialyse abhängig, ehe er 1995 seine erste, postmortale Spenderniere bekam. 20 Jahre hielt die, bis er sich 2015 zwei Infekte zuzog, die die Niere in Mitleidenschaft zogen. Eine neue musste her. Beim Pizza-Essen habe er seinen Bruder gefragt, berichtet Paul sichtlich bewegt. Der stimmte zu. "Ich habe keine Sekunde gezögert", erklärt der Fußballprofi.

Drei bis sechs Monate Planung gehen einer solchen Lebendnierenspende voraus, erklärt Professor Helmut Geiger, Leiter des Funktionsbereiches Nephrologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Spender und Empfänger werden psychologisch begutachtet, die Organspendekommission der Landesärztekammer befindet über die für die Op notwendige "persönliche Verbundenheit." Eine Verwandtschaft ist im Gegensatz zu früher nicht mehr nötig für eine Lebendnierenspende, so Geiger.

Deutlich weniger Wartezeit

Diese bringt im Vergleich zur postmortalen Spende drei entscheidende Vorteile mit sich. Die Wartezeit auf eine Op ist deutlich verkürzt im Vergleich zum oft langsamen Vorrücken auf der Spenderwarteliste. "Die Wartezeit auf eine Niere liegt derzeit bei fünf bis zehn Jahren im Schnitt", erklärt Geiger.

Ein zweiter Vorteil ist die Möglichkeit, präemptiv zu transplantieren. Der Dialysepflicht kann man so zuvorkommen, indem die Niere transplantiert wird, noch bevor deren Funktion einbricht. Drittens sind auch die Erfolgsraten bei der Lebendspende deutlich besser als bei der postmortalen Spende. "Über 96 Prozent der Lebendnierentransplantate überleben das erste Jahr", so Geiger.

300 Lebendnierenspenden seien seit Gründung des Universitätsklinikums vorgenommen worden, berichtet Geiger, seit 2006 ist das Klinikum auch in der Lage, blutgruppeninkompatible Organe zu transplantieren. Seit 2011 werden die Lebendspenden nur noch per "Schlüsselloch-Chirurgie", also laparoskopisch und minimalinvasiv, durchgeführt. Hat der Empfänger des Organs Antikörper gegen das Transplantat, ist es im Gegensatz zur postmortalen Spende möglich, ihn zu konditionieren und zu desensibilisieren, sodass das Organ vom Körper nicht abgestoßen wird. "Die Antikörper gegen die fremde Blutgruppe werden dabei eliminiert und auch in ihrer Bildung unterdrückt", erklärt Professorin Ingeborg Hauser, Leiterin für Nierentransplantationen am Universitätsklinikum.

"Hätte ich vier Nieren . . ."

Zehn bis 14 Tage vor der Transplantation wird der Empfänger dann stationär aufgenommen und erhält die Immunsuppression, die er normalerweise erst nach der Transplantation erhalten würde. Faszinieren ist für Hauser dabei, dass die Erfolge der blutgruppeninkompatiblen Spende genauso gut sind wie die der passenden Spende.

In Frankfurt wird die Spenderniere über kleine Einschnitte am Bauchnabel und oberhalb des Schambeins laparoskopisch entnommen. Die Vorteile dieser Methode: Die Op ist kurz, etwa zweieinhalb Stunden lang, das Organ liegt nur kurz auf Eis und wird anschließend direkt transplantiert, der Blutverlust ist gering und die Narben sind kleiner.

Auch für Thomas Zampach scheint die Belastung gering zu sein. Zwar kann er mit dem Bauchmuskeltraining noch nicht wieder anfangen, doch spüre er nicht, dass er nur noch eine Niere habe. "Wenn einer helfen kann, dann soll er es tun", appelliert Zampach. "Hätte ich vier Nieren und könnte mit einer leben, hätte ich bereits drei mal gespendet."

2,5 Stunden dauert eine laparoskopische Lebendnierenspende am Universitätsklinikum Frankfurt. Der Eingriff ist minimalinvasiv.

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Die Brüder Thomas (l) und Paul Zampach. Thomas spendete seinem Bruder eine Niere, Funktionseinschränkungen habe er keine, betont er.

© Christian Schultz / dpa / pict

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