Ärzte Zeitung online, 11.10.2017

Infektionen

Tollwut bei zehnjährigem Franzosen

Die Tollwut ist in Mitteleuropa selten geworden. Jetzt sorgt ein Fall in Frankreich für Aufregung.

Tollwut  bei zehnjährigem Franzosen

Vor allem in Entwicklungsländern bergen streunende Hunde immer ein Tollwutrisiko.

©cappui / Fotolia

LYON. In Frankreich ist bei einem zehnjährigen Jungen Tollwut nachgewiesen worden. Es habe sich bereits im August bei einem Aufenthalt in Sri Lanka infiziert, als es an einem Strand von einem Hund gebissen wurde, teilte die Gesundheitsbehörde der Region Auvergne-Rhône-Alpes am Dienstag in Lyon mit.

Das Kind wird seit vergangener Woche im Krankenhaus betreut. Einmal ausgebrochen ist die Krankheit fast zu 100 Prozent tödlich.

Tollwut ist in Frankreich wie auch in Deutschland extrem selten: Seit 1970 wurden von französischen Behörden nur 23 Fälle registriert – stets war die Infektion im Ausland erfolgt. Weltweit ist die Krankheit laut Weltgesundheitsorganisation jedoch für rund 59 000 Todesfälle im Jahr verantwortlich, vor allem in Afrika und Asien.

Übertragen werden die Viren von infizierten Säugetieren meist durch Bisse oder Kratzen. Es gibt wirksame Impfstoffe, die auch kurz nach einem Tierbiss noch helfen können.

Die regionale französische Behörde in Lyon betonte, dass weltweit noch keine Ansteckung zwischen Menschen nachgewiesen worden sei - abgesehen von sehr seltenen Fällen, bei denen Organe eines infizierten Spenders transplantiert wurden. Trotzdem seien vorsichtshalber die Menschen identifiziert worden, die direkten Kontakt zu Speichel oder Tränen des betroffenen Kindes hatten – es werde nun von Fall zu Fall geprüft, ob sie geimpft werden sollten.

Die meisten warmblütigen Tiere können mit Tollwutviren infiziert werden, bei Pflanzenfressern ist das aber selten. Hauptüberträger ist in europäischen Ländern der Fuchs, in Ländern wie dem stark betroffenen Indien sind es streunende Hunde.

Der Abwurf von Impfködern hat inzwischen in Deutschland dazu geführt, dass die Krankheit bei Füchsen nur noch sehr vereinzelt auftritt. Tollwut-Fälle hierzulande sind daher wie der in Frankreich meist eingeschleppt. (dpa)

59.000 Todesfälle im Jahr sind weltweit auf die Tollwut zurückzuführen. Diese Zahl nennt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Vor allem in Afrika und Asien sterben daran immer noch viele Menschen.

Topics
Schlagworte
Panorama (30938)
Infektionen (14457)
Organisationen
WHO (3126)
Krankheiten
Infektionen (4473)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »