Ärzte Zeitung online, 10.11.2017
 

EU-weite Umfrage

Sexuelle Belästigung – andere Länder, andere Sitten?

Wo fängt sexuelle Belästigung an? Eine europaweite Umfrage zeigt: In Deutschland haben viele Menschen relativ hohe Toleranzgrenzen.

KÖLN. Als Mann einer Frau einen Sexwitz erzählen? Oder einer Frau auf die Brüste schauen? Für die Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland ist das anscheinend noch keine sexuelle Belästigung. Im europäischen Vergleich zeigen sie damit recht viel Toleranz, wie eine repräsentative Umfrage in sieben Ländern ergab.

Das Meinungsforschungsinstitut YouGov hatte im Oktober insgesamt 8490 Frauen und Männer in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen befragt. Da war die Debatte um Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein (65) bereits in vollem Gange.

59% der Menschen in Deutschland sind der Meinung, dass das Erzählen von Sexwitzen noch keine sexuelle Belästigung ist.

Bei vielen Aspekten seien sich die Befragten in den verschiedenen Ländern zwar einig, schlussfolgern die Meinungsforscher. So sei es jeweils für die Mehrheit ein No-Go, wenn Männer Frauen zu sexuellen Gefälligkeiten auffordern, ihnen an den Po fassen, Genitalien entblößen oder versuchen, Frauen unter den Rock zu fotografieren. Bei anderen Aspekten gelte jedoch: "Andere Länder, andere Sitten."

Großbritannien tickt anders

Beim Thema Sexwitze sagten 59 Prozent der Befragten in Deutschland, dass dies noch keine sexuelle Belästigung sei. Frauen und Männer sind hier mit 57 beziehungsweise 61 Prozent nahe beieinander. Größer war der Unterschied beim Thema Auf-die-Brüste-Schauen, doch auch hier ist die Tendenz gleich: YouGov zufolge ist das für 73 Prozent der in Deutschland befragten Männer keine sexuelle Belästigung, bei den Frauen sehen dies 58 Prozent so – ebenfalls die Mehrheit.

Weniger Toleranz zeigen etwa die Befragten in Großbritannien: Sexwitze sind dort für insgesamt 69 Prozent als sexuelle Belästigung einzustufen (Männer: 67 Prozent; Frauen: 70 Prozent). (dpa)

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