Ärzte Zeitung online, 29.12.2017

Glücksforschung

"Keine großen Vorsätze fürs neue Jahr fassen!"

Abnehmen, Sport treiben, mehr Lesen, mehr Zeit für die Familie: Die Liste der guten Vorsätze für das neue Jahr ist oft lang. Die Trierer Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry rät zu kleinen Schritten – dann klappe es auch.

TRIER. Gute Neujahrsvorsätze können dem Leben eine positive Wendung geben – davon ist die Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry überzeugt. "Entscheidend dabei ist, dass man sich kleine Dinge vornimmt, dass man also kleine Impulse setzt, in welche Richtung man sein Leben verändern will." Also lieber zehn Minuten Joggen gehen oder zehn Minuten Vokabeln lernen als sich gleich eine Stunde damit beschäftigen wollen, rät die Professorin der Uni Trier.

"Einige Menschen scheitern an ihren Vorsätzen, weil sie sich zu große Dinge vornehmen", sagte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die kleinen Wandlungen hingegen ließen sich gut in den Alltag einbauen. Wer eine neue Tätigkeit an eine andere anhänge, baue Rituale auf – also zum Beispiel: Nach dem Zähneputzen immer das Instrument üben. "Dadurch initiiert man Verhaltensänderungen."

"Auf Ziele hin formulieren!"

Wichtig ist es laut der Professorin auch, auf Ziele hin zu formulieren. "Also nicht "weniger dick sein" oder "nicht mehr schlecht in Englisch sein", sondern "Ich möchte mich gesund ernähren" und "Ich möchte gut in Englisch sein"." Dabei sei es wichtig, dass die Ziele mit dem Ideal vom eigenen Ich übereinstimmten und nicht von außen kämen, zum Beispiel vom Partner.

Wer einen kleinen Schritt gegangen sei, solle sich loben, forderte Brohm-Badry. Durch die Wahrnehmung des schon Geleisteten bestärke man sich selbst für die Zukunft. Mit der inneren Stimme – oder auch laut – könne man dann sagen: "Ich bin auf einem guten Weg."

Ein Dankbarkeitstagebuch kann hilfreich sein

Forschungsbefunde hätten zudem gezeigt, dass es für das Wohlbefinden im neuen Jahr hilfreich sein könne, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen, sagte die Wissenschaftlerin. Da hinein könne man jeden Tag schreiben, für was man dankbar gewesen ist, was an dem Tag schön war. "Das stimuliert eine andere Perspektive fürs Leben. Dann guckt man nicht immer nur, was nicht im Leben funktioniert."

Überall im Leben könne man Reichtum entdecken – Freunde, Kultur, Natur oder materiellen Reichtum. "Das Glücksgefühl sei sehr stark an Dankbarkeitsgefühle gebunden." (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Morphin bei Herzinfarkt – unverzichtbar aber umstritten

Morphin bei Herzinfarkt-Patienten: Die Sicherheit des Schmerzmittels hat sich in einer aktuellen Studie bewährt. Zweifel über ein mögliches Risiko bleiben aber vorerst. mehr »

Zu viele Hausbesuche = Regress!

Zwei hessische Landärzte wurden in Regress genommen, weil sie deutlich mehr Hausbesuche als ihre Kollegen absolviert haben. Über 50.000 Euro sollen sie zurückzahlen. Die Ärzte verstehen die Welt nicht mehr - und wehren sich. mehr »

Tot oder nicht tot – das ist hier die Frage

Särge mit Ausgängen und Glöckchen um die Arme: Schon seit Jahrhunderten ziehen Wissenschaftler die Eindeutigkeit des Todes in Zweifel. Eine neue Ausstellung in Berlin zeigt Exponate, die dem Scheintod ein Schnippchen schlagen sollten. mehr »