Ärzte Zeitung online, 02.02.2018

Auch in Deutschland gang und gäbe

Tierversuche an Affen – Wissenschaftllich nötig, ethisch vertretbar?

Seit Tierversuche im Zusammenhang mit dem VW-Dieselskandal bekannt wurden, ist die Empörung groß. Dabei werden auch hierzulande Hunderte Affen jährlich für Versuche verwendet.

Auch in Deutschland gang und gäbe

2460 Affen und Halbaffen wurden 2016 für Tierversuche in Deutschland benutzt.

© dpa

BERLIN. Wenn es um Affen in Tierversuchen geht, begleiten häufig drastische Bilder die immer wieder emotional geführten Diskussionen. Das erleben aktuell auch Forscher in Deutschland. Nach jüngsten Zahlen haben Wissenschaftler in Deutschland im Jahr 2016 an insgesamt rund 2,8 Millionen Tieren Versuche vorgenommen. Wie aus den kürzlich veröffentlichten Daten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervorgeht, waren darunter auch rund 2460 Affen und Halbaffen.

Der überwiegende Großteil der Versuchstiere sind jedoch Mäuse, gefolgt von Fischen, Ratten, Kaninchen und Vögeln. Zwar sind Affenversuche damit vergleichsweise selten – für Tierschützer aber ein schwaches Argument.

"Primaten sind sinnesphysiologisch hoch entwickelt, auf soziale Beziehungen angewiesen und leiden mehr als andere Tiere in Tierversuchen", sagt Marius Tünte, Sprecher beim Deutschen Tierschutzbund. Die Organisation fordert ein Verbot zumindest von Affenversuchen.

Strenge Vorgaben

Aus wissenschaftlicher Sicht hingegen sind Tierversuche, auch an Primaten, noch immer unverzichtbar. Gerade dann, wenn es um die medizinische Forschung geht. "Es muss uns allen klar sein, dass die Sicherheit unserer Medikamente natürlich auch auf Tierversuchen beruht", sagte der Neurowissenschaftler und Biologe Dr. Stefan Treue vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen.

Nach den ethischen Grundsätzen in Deutschland dürften Forscher aber nur die am wenigsten leidende Art verwenden, die für ihre Fragestellung geeignet ist, sagte Treue. Das heißt: Ist zu erwarten, dass ein Test an einer Maus aussagekräftige Ergebnisse liefert, ist der Einsatz eines Affen nicht erlaubt.

Forscher, die einen Tierversuch planen, müssen einen Antrag stellen, den die zuständige Landesbehörde prüft – unter anderem geht es um die Bedeutsamkeit des Vorhabens. Dabei werden die Behörden von einer Kommission aus Tierärzten, Ärzten, Wissenschaftlern und Tierschützern unterstützt. Dabei wurden auch einzelne Anträge schon abgelehnt.

Die Forschung an Affen konzentriere sich zu mehr als drei Vierteln auf medizinische Sicherheitsprüfungen, weil die Tierart dem Menschen besonders ähnlich ist. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »

Diabetes-Strategie zum Greifen nah

Der gezielte Kampf gegen Diabetes könnte schon bald konkrete Formen annehmen. Zum heutigen Welt-Diabetestag zeichnet sich zwischen Union und SPD ein Kompromiss für eine nationale Diabetes-Strategie ab. mehr »