Ärzte Zeitung online, 20.04.2018

Vorsorge

Promi bei der Darmspiegelung

"Verstehen Sie Spaß?"-Moderator Guido Cantz lässt die Öffentlichkeit an seiner Darmspiegelung teilhaben. Vorsorge ist wichtig, findet er. Und gar nicht peinlich.

Von Ilse Schlingensiepen

Darmspiegelung – Promi auf der Untersuchungsliege

Chefarzt Professor Wolfgang Holtmeier (links) erklärt Guido Cantz die Abläufe bei der Darmspiegelung.

© Ilse Schlingensiepen

KÖLN. So einen Patienten würden sich viele Ärzte wünschen: "Ich versuche, so viel Vorsorgeuntersuchungen wie möglich zu nutzen", berichtet TV-Moderator Guido Cantz.

Er geht jedes Jahr zur Hautkrebsvorsorge. "Es macht keinen Sinn, das Thema zu ignorieren", findet er. Jetzt ist die Darmkrebsvorsorge an der Reihe.

Cantz will am nächsten Tag im Krankenhaus Porz am Rhein eine Darmspiegelung machen lassen und trifft sich zum Vorgespräch mit Professor Wolfgang Holtmeier, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Diabetologie, Stoffwechselerkrankungen und Allgemeine Innere Medizin. Indem er den Termin öffentlich macht, will der Moderator für die Vorsorge werben.

"Ich bin 46, für mich ist das ein guter Zeitpunkt", sagt Cantz, der vor allem durch die Fernsehshow "Verstehen Sie Spaß?" bekannt geworden ist. Er hat sich schon länger mit dem Thema beschäftigt, sowohl bei seinem Vater als auch bei seinem Bruder sind Polypen gefunden worden.

Es hätte schon zu spät sein können

Guido Cantz moderiert den Felix Burda Award 2018

Am 13. Mai ehrt die Felix Burda Stiftung herausragende Projekte gegen Darmkrebs mit dem Felix Burda Award.

Humorist Guido Cantz moderiert die Veranstaltung zum ersten Mal.

Ein 90-minütiger Zusammenschnitt der Preisverleihung ist am Samstag, 19. Mai, um 20.15 Uhr auf dem kostenlos empfangbaren Sender "Welt der Wunder TV" zu sehen.

Weitere Infos: www.felix-burda-award.de

In einer solchen Situation kann man eigentlich gar nicht zu früh zur Koloskopie gehen, findet Mediziner Holtmeier. Generell empfiehlt er Männern die Vorsorgekoloskopie vom m 50. Lebensjahr an.

Er hofft, dass die Kassen schon bald dazu übergehen, die Untersuchung ab diesem Alter und nicht erst ab 55 zu bezahlen.

Holtmeier selbst hat mit 49 Jahren eine Darmspiegelung vornehmen lassen, bei der große Polypen gefunden wurden. "Hätte ich bis 55 gewartet, wäre es vielleicht schon Krebs gewesen."

Jetzt erklärt er Cantz, wie die Darmspiegelung abläuft und rät ihm, auch gleich eine Magenspiegelung machen zu lassen. Große Überredungskunst benötigt der Gastroenterologe nicht.

"Ich bin dabei", sagt sein Patient. "Wenn ich Stress habe, merke ich das immer im Magen." Er gibt dem Arzt auch die Erlaubnis, Polypen im Darm sofort zu entfernen, falls er welche findet.

Cantz erfährt, welche Risiken mit dem Eingriff verbunden sind: die Verletzung des Darms oder – in ganz seltenen Fällen – eine Ruptur der Milz. "In meinen Augen ist das eine sehr sichere Untersuchung", beruhigt ihn Holtmeier. Große Angst scheint Cantz aber nicht zu haben.

Cantz hat Vertrauen in ärztliche Expertise

Über die notwendige Prozedur zur Entleerung des Darms kann Holtmeier aus eigener Erfahrung berichten. "Ich finde, das Abnehmen ist das Unangenehmste." Auch das schreckt Cantz nicht ab. "Was mich wundert: dass man damit den Darm so schnell entleeren kann."

Man merkt, dass der Moderator Vertrauen in die ärztliche Expertise hat. Klar ist für ihn, dass er von der Darmspiegelung nichts mitbekommen möchte. Das Angebot, am Anfang mit auf den Bildschirm zu schauen, lehnt er dankend ab. "Ich liege, Sie machen den Rest."

Cantz setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Menschen die Möglichkeit der Darmkrebsvorsorge wahrnehmen. Cantz unterstützt die Aufklärungskampagne des Kölner Künstlers Cornel Wachter. Er hatte im Februar 2010 im Alter von 49 Jahren die Diagnose Darmkrebs erhalten.

Ausgezeichnete Kampagne

Gemeinsam mit dem Kommunikationsdesigner Timo Belger hat Wachter die Aufklärungskampagne entwickelt, für die sie 2017 den Felix Burda Award erhalten haben.

Im Herbst 2018 soll in Köln das nächste Vorsorgemagazin "Die wunderbare Welt des Cornel Wachter – Wachter & Freunde für die Darmkrebsvorsorge" erscheinen, mit einer Auflage von mehr als 500.000. Wie in der ersten Ausgabe unterstützen viele Prominente die Aktion. Guido Cantz wird das Titelbild zieren.

Wenn einer mit gutem Beispiel vorangeht, folgen häufig viele andere, sagt Wachter. "Deshalb ist es so wichtig, dass jemand wie Cantz das macht."

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