Ärzte Zeitung online, 14.08.2018

Flüchtlingskrise

Irrfahrt der "Aquarius" findet ein Ende

Nach viertägiger Irrfahrt auf dem Mittelmeer erlaubt die maltesische Regierung dem Schiff das Anlanden.

ROM/PARIS. Vier Tage nach der Rettung von 141 Migranten findet die Irrfahrt des Schiffs "Aquarius" ein vorläufiges Ende. Die Regierung Maltas erlaubte das Anlegen, anschließend würden die Migranten zwischen Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Portugal und Spanien aufgeteilt, hieß es am Dienstagnachmittag. Zuvor hatten die EU-Partner sich gegenseitig die Verantwortung für die Geretteten zugeschoben: Nach Italien, Spanien und Frankreich machte auch die britische Regierung klar, dass sie sich nicht in der Pflicht sieht, die Anlandung zu garantieren.

Es sei gängig, dass die regionale Seenotrettungsleitstelle in Abstimmung mit dem Kapitän die Anlandung an einem nahe gelegenen sicheren Hafen organisiere, erklärte eine britische Regierungssprecherin auf Anfrage am Montagabend. Rom hatte London zuvor aufgefordert, seiner Verantwortung für den Schutz der Schiffbrüchigen nachzukommen. Denn das Schiff fahre unter der Flagge Gibraltars. Das britische Überseegebiet liegt an Spaniens Südküste.

Um die Gemengelage noch komplizierter zu machen, erreichte die Seenotretter von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen die Nachricht, dass Gibraltar dem Schiff die Flagge entziehen wolle. SOS Méditerranée, die das Schiff gechartert hat, legte Einspruch ein und warf Gibraltar vor, politische Absichten zu verfolgen. In den vergangenen zwei Jahren habe die Organisation alle Anforderungen des Flaggenstaats erfüllt. Über Mängel sei nie berichtet worden.

Sorgen bereiten den Helfern die vielen unbegleiteten Minderjährigen an Bord. "Viele von ihnen sind chronisch mangelernährt, was wir auf die Haftbedingungen in Libyen zurückführen, wo die meisten keinen Zugang zu ausreichend Nahrung hatten", hieß es.

"Unsere Teams haben viele Berichte von Missbrauch, Folter, Zwangsarbeit und sexueller Gewalt gesammelt." Einige Gerettete hätten die Flucht aus Libyen bereits mehrmals versucht. (dpa)

Topics
Schlagworte
Panorama (32843)
Organisationen
Ärzte ohne Grenzen (466)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchesters bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »