Ärzte Zeitung, 18.11.2005

UND SO SEH' ICH ES

Die Kopfschildschnecke - ein Symbol für die große Koalition

Die Kopfschildschnecke (Chelidonura hirundinina) ist in der Biologie ein typisches Beispiel für eine große Koalition. Diese Meeresschnecke ist ein Hermaphrodit, ein Männchen und ein Weibchen zugleich.

Doch nicht nur das - sie kann zur Gattungsvermehrung auch mit anderen Kopfschildschnecken kopulieren, wobei beide Partner nach den Annäherungsversuchen gleichzeitig ihre Geschlechtsteile einführen und sich gegenseitig Spermien übertragen.

Dabei paßt jede auf, daß diese Samenübertragung paritätisch erfolgt. Fühlt sich einer der Partner da um eine Samenmenge betrogen, wird der Kopulationsakt sofort beendet. Wundert es jemanden, daß man bei solchem Verhalten an die gerade abgeschlossenen Verhandlungen der großen Koalition denkt?

Die verliefen ja auch lange Zeit in echtem Schneckentempo, nach erstem Granteln war man recht freundlich zueinander und einigte sich in vielen, vorher für unmöglich gehaltenen Punkten. Doch nachdem bei beiden das Gefühl aufgekommen war, vom anderen übervorteilt zu werden, kam man rasch zum Ende.

Dabei wußten manche Politiker bei ihren Verhandlungen zeitweise wohl nicht, ob sie Männchen oder Weibchen sind. Der große Kunktator, Edmund Stoiber, konnte die politische Orientierung nicht einmal durch eine Papstaudienz wiederfinden.

Anzunehmen ist, daß Kopfschildschnecken keinerlei Gedanken an ihre Gesundheit verschwenden. Das war aber sicherlich nicht der Grund, warum die Gesundheitsreform rasch aus dem Regierungsprogramm ausgeklammert wurde. Das hätte die Koalitionsgespräche noch weiter in die Länge gezogen.

Die Frage ist allerdings: Warum soll man ein System reformieren, das - nach einer von der bisherigen und zukünftigen Gesundheitsministerin in Auftrag gegebenen internationalen Untersuchung - mit Abstand das beste von allen ist?

Nichtsdestotrotz werden die Ärzte die Auswirkungen der großen Koalition deutlich spüren. Doch die geplante Absenkung der Honorare auf einen niedrigeren GOÄ-Satz werden die Ärzte wohl nicht ohne weiteres hinnehmen.

Es scheint, daß manche der Damen und Herren, die dafür Verantwortung tragen, stets wie der Patient in einem uralten Doktorwitz reagieren: Da sagte ein Arzt voller Sorge zum Patienten: "Anscheinend ist bei Ihnen alles in Ordnung. Nur Ihr Puls geht viel, viel zu langsam." "Macht nichts," bekam er zur Antwort, "ich habe doch genug Zeit!" Für die politisch Verantwortlichen gilt das nicht - meint

Ihr Ironius

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