Ärzte Zeitung, 24.02.2006

UND SO SEH' ICH ES

Als ob es erst heute geschrieben worden wäre ...

2006 ist in Deutschland das Heinrich-Heine-Jahr. Denn vor 150 Jahren starb der große Dichter in Paris. Der Schriftsteller, Lyriker, Journalist und Aphoristiker entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie, studierte Jura und promovierte 1825. Im selben Jahr trat er zum Protestantismus über, blieb aber ein Wanderer zwischen beiden Religionen.

Die deutsche Literatur zählt ihn zu ihren führenden Dichtern der Romantik, der in seiner Lyrik und Prosa schwermütige Gefühle und beißende, witzige Ironie vereinte. Heines Aphorismen, Aperçus und Bonmots haben nichts von ihrer Aktualität und Frische verloren. Man könnte meinen, die folgenden Bemerkungen (mit Stichworten von Ironius versehen) seien über das heutige Deutschland geschrieben:

Yellow Press: "Ich habe nie an meinem Vaterland gezweifelt; wir sind ein großes Volk, wir bespritzen unsere Feinde nicht mit ätzenden Epigrammen, sondern begießen sie mit deutschestem Unflat."

Gewerkschaft Ver.di: "Die deutschen Bären werden stets wie Bären tanzen, aber nie die Ketten brechen."

Umwelt: "O Deutschland! Land der Eichen und des Stumpfsinns!"

Mentalität: "Die Deutschen haben die merkwürdige Gewohnheit, daß sie bei allem, was sie tun, sich auch etwas denken."

Rentenfrage: "Schlimmer als Entbehren, als Nichthaben, ist auf etwas rechnen und nicht bekommen."

Über Wissenschaft und Muse: "Bei uns in Deutschland sind die Wissenschaften ein Gewerbe und zünftig, und die Muse ist eine Milchkuh, die so lange für Honorar abgemelkt wird, bis sie reines Wasser gibt."

Öffentlicher Dienst: "Schilda, mein Vaterland."

Heines bissige Bemerkungen könnten gestern erst in der Zeitung gestanden haben - meint

Ihr Ironius

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