Ärzte Zeitung, 27.04.2006

Schneller als der Schall - ein Allgemeinmediziner geht in die Luft

Dr. Christian Laubender aus Füssen ist mit einer russischen MIG-25 mit 2,5facher Schallgeschwindigkeit in 25 Kilometern Höhe geflogen

Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung: Dr. Christian Laubender im Cockpit einer alten russischen MIG. Fotos (3): Christian Laubender

Von Werner Hacker

Weltraumtourismus ist für manche Menschen eine schöne Zukunftsvision, für Dr. Christian Laubender aus Füssen aber bereits mehr als das. Der Arzt hat nämlich einen Ausflug ins All gemacht! Die Reise ins Reich der Sterne paßt in die Lebensphilosophie des 40jährigen Allgäuer Mediziners - Laubender will auch künftig einzigartige Erfahrungen machen.

Liebt Flugzeuge: Dr. Christian Laubender aus Füssen. Foto: Hacker

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum! Dieses Motto hat sich Laubender, Facharzt für Allgemeinmedizin, Arzt für Naturheilverfahren und Fliegerarzt, zu eigen gemacht. Er geht in seiner Freizeit tatsächlich in die Luft. Der Pilot aus Leidenschaft verwirklicht damit einen Kindheitstraum.

Im Gegensatz zu anderen Kindern baute er aus Legosteinen keine Autos und Häuser, sondern Raketen und Flugzeuge. Interessiert verfolgte er die Mondlandungen. "Ich wünschte mir schon damals, einmal den blauen Planeten aus dem Weltraum zu sehen."

Ausbildung bei der Luftwaffe in Flugmedizin

Nach dem Medizinstudium in Würzburg hat der gebürtige Bamberger sein Berufsleben im Mai 1995 im Allgäu begonnen, um sich hier als Arzt für Naturheilverfahren ausbilden zu lassen. Sofort begann er auch mit dem Drachen- und Gleitschirmfliegen.

Seither ließen den Arzt die Fliegerei und die Berge nicht mehr los. Um Beruf und Hobby miteinander verbinden zu können, übernahm er im Januar 2003 die Fliegerarztpraxis in Füssen. "Eine Ausbildung bei der Luftwaffe in Flugmedizin und die Privatpilotenlizenz waren dazu nötig", erzählt Laubender.

Das Training in der Humanzentrifuge und die Tätigkeit beim Internationalen Förderkreis für Raumfahrt (IFR) ließen den Kindheitswunsch wieder aufleben. So suchte der Fliegerarzt die nötigen Kontakte, die ihm dabei helfen sollten, mit der russischen MIG-25 mit 2,5facher Schallgeschwindigkeit in 25 Kilometer Höhe zu fliegen. Er fand sie südlich von Moskau in Schukowski.

Der Fliegeroverall paßt: der Füssener Allgemeinmediziner kurz vor dem Abflug in Rußland.

"Am 21. Oktober 2005 - zwei Monate, nachdem ich 40 Jahre alt geworden bin - konnte ich meinen Traum verwirklichen. Dabei ging es mir nicht in erster Linie um den Kitzel des Abenteuers. Aus ungewöhnlicher Perspektive wollte ich auf unseren Planeten voller Bewunderung und Ehrfurcht schauen."

Der Füssener Arzt reiste nach Rußland und bestieg mit dem 32jährigen Piloten Sascha einen Düsenjäger aus den 70er Jahren. Die MIG-25 sei unverwundbar, erklärt Laubender. "Sie flog viel schneller und höher als andere Flugzeuge zur damaligen Zeit. Sie war deshalb das Symbol technischer Überlegenheit der Sowjetunion." Die MIG-25 operiert im Grenzbereich. "Flöge sie nur ein wenig schneller durch die Stratosphäre, würde die Reibungshitze sogar den Lack weg brennen."

Sascha - im Hauptberuf Testpilot - und sein Co-Pilot aus Deutschland erreichten die 25 Kilometer Höhe in nur acht Minuten. "Die Flugroute einer Passagiermaschine verläuft im Vergleich dazu etwa 15 Kilometer darunter."

Der russische Testpilot Sascha (links) und der deutsche Arzt freuen sich auf ihren Weltraumflug.

Seine Beobachtungen durch das Fenster der MIG-25 kann Laubender kaum in Worte fassen: "Es war Mittag, und ich habe die Sterne funkeln gesehen. In dieser Höhe sieht man auch die Erdkrümmung. Und es ist zu erkennen, wie dünn die blaue Atmosphäre ist, die uns vor dem sicheren Tod bewahrt. Dort oben, wo bisher nur ganz wenige Menschen gewesen sind, realisiert man staunend, wie verletzlich unsere Erde ist", sagt er ergriffen.

Belastungen nur mit speziellem Pilotenoverall auszuhalten

Der 30 Minuten kurze Ausflug an den Rand der Welt war für ihn auch als Fliegerarzt eine wichtige Erfahrung. In der MIG, die er auch selbst steuern durfte, spürte Laubender die Belastungen, denen die Jet-Piloten ausgesetzt sind. "Dank des speziellen Pilotenoveralls sind diese Belastungen gut auszuhalten. Ein durchschnittlich trainierter Sportler hat damit kein Problem. Akrobatikflüge sind im Vergleich dazu viel anstrengender." Trotzdem sei es ratsam, sich vor einem Überschallflug den üblichen Herz-Kreislauf-Untersuchungen zu unterziehen.

Zu seiner eigenen Praxis in Füssen kam Laubender, weil sein Vorgänger mit ihm die große Leidenschaft für das Fliegen teilte. "Ich hatte mich bei ihm regelmäßig zur Untersuchung meiner Flugtauglichkeit angemeldet. Über diesen Kontakt kamen wir ins Gespräch."

In seiner Freizeit findet man Laubender oft auf Flugplatz. Gute Kontakte hat der Allgäuer Arzt längst auch in den USA. "Meine Bekannten in Texas haben einen Flug- und Landeplatz auf ihrem Grundstück. In den Staaten ist Fliegen so selbstverständlich wie bei uns das Autofahren."

Doch das Fliegerherz des Arztes schlägt noch heftiger beim Gedanken an die Startbahn bei Moskau. "Wenn es die Zeit zuläßt, mache ich bestimmt wieder einen Besuch in Rußland."

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