Ärzte Zeitung online, 13.08.2008

Potente Gourmets: "Kraft im Topf" verspricht Power im Schlafgemach

PEKING (dpa/maw). Viele Chinesen und andere Asiaten vertrauen bei der Hege und Pflege ihrer Manneskraft auf die Kraft der Natur. Genauer gesagt erhofffen sie sich eine übertragende Wirkung von Penissen einiger Vierbeiner auf die eigene urologische Komponente. Im Reich der Mitte können nun auch Olympioniken und andere Besucher aus aller Welt die Magie des Stolzes der Vierbeiner - zum Beispiel von Hirschen oder Seerobben - am eigenen Leib ausprobieren - in einem Pekinger Penis-Restaurant. Für Frauen ist der Besuch nicht tabu: Sie profitieren angeblich von einer glatteren Haut nach dem Verzehr der Hausspezialitäten.

Potente Gourmets: "Kraft im Topf" verspricht Power im Schlafgemach.

Foto: dpa

Die Gourmets bewegen sich in diesem Pekinger Restaurant kulinarisch unter der Gürtellinie. Aber in China hat das Verspeisen des "besten Stücks" diverser Vierbeiner durchaus Tradition. "Das ist kein einfaches Essen, sondern eine Kultur für sich", sagt die Kellnerin He Chunmei. Seit vier Jahren arbeitet sie im Pekinger Restaurant Guolizhuang, was übersetzt so viel bedeutet wie: "Kraft im Topf". Olympia-Gäste bekommen dort eine besondere Speise serviert: Tierpenisse.

Die Spezialität des Hauses sind die Geschlechtsorgane männlicher Esel, Hirsche oder sogar Schlangen, je nach Geschmack angereichert mit pikanten Soßen oder in nahrhaften Suppen eingerührt. "Der Genuss steigert die Kraft des Mannes im Bett", preist He Chunmei die Wirkung ihrer Gerichte an. Auch für Frauen lohne sich die Überwindung anfänglicher Scheu: Besonders Hirschpenis glätte die Haut und mache Frauen rundum schöner, erläutert die Kellnerin.

Als kalte Vorspeise empfiehlt die 22-Jährige eine Portion Maden aus der südchinesischen Provinz Yunnan. Für den Hauptgang können die Gäste dann aus verschiedenen Platten wählen. Ihre Namen bewegen sich zwischen poetisch und grauenerregend: "Drachenbrunnen-Penisblume", "Penisköstlichkeiten beleben die Niere" oder "Schildkröten- Hirschpenistopf" stehen unter anderem auf der Karte.

Für chinesische Verhältnisse sind die Preise happig. Ab 235 Yuan (23 Euro) pro Platte geht's erst los. Spezielle "Prachtexemplare" vom Seehund kosten sogar mehr als das Zehnfache. "Man kann das Glied aber auch einzeln bestellen", sagt die Kellnerin. Das teuerste Menü für mehrere Personen erleichtert die abenteuerlustigen Gourmets um 99 888 Yuan (9780 Euro). "Dafür bekommt man gleich acht Platten mit unterschiedlichen Penis- und Hodensorten", klärt He Chenmei auf.

Unter europäischen Besuchern mögen solche Spezialitäten für Schaudern sorgen. Koch Zhang Guoyi kann an seinem Job aber nichts Ungewöhnliches mehr erkennen. "Als ich das erste Mal selbst probiert habe, fand ich es schon komisch", gibt der 40-Jährige zu. In den drei Jahren Arbeit in der Küche im "Kraft im Topf"-Restaurant habe er mittlerweile die Einzelteile unzähliger Tiere verarbeitet. Inzwischen betrachtet er das Ganze mit typisch männlichem Humor: "Esel haben den Größten und Schlangen den Kleinsten."

Kellnerin He Chunmei lässt derweil einige der "pikanten" Fleischstücke in die brodelnde Suppe gleiten. Die Gerichte werden direkt am Tisch gegart. Kochzeit: fünf Minuten. Mit einem großen Löffel rührt die Kellnerin die weiße Brühe um, in deren Mitte zusätzlich zum Hirschpenis ein Schildkrötenpanzer schwimmt. "Die Suppe ist gut für die Nieren und regt die Blutproduktion an."

Zum "Schildkröten-Hirschpenistopf" empfiehlt sie starken Schnaps gemischt mit der Flüssigkeit aus dem Inneren eines Hirschgeweihs. Eine Gruppe ausländischer Männer ziert sich dennoch sichtlich, als das Hauptgericht schließlich auf den Tisch kommt. "Der Penis ist gar", erklärt He Chunmei - und das Mahl damit eröffnet. Damit ist der Moment der Wahrheit für die ausländischen Restaurantbesucher gekommen. "Wir wollten ja unbedingt probieren", sagt einer, als He Chunmei ihm einen grauen Schwellkörper auf den Teller legt.

Mutig greift er das Stück mit Stäbchen und steckt es sich in den Mund. "Wirklich lecker", sagt er. Beim Kauen zieht sich sein Gesicht jedoch angewidert zusammen. Der Mann beginnt zu husten und blickt Hilfe suchend zu seinen Mitstreitern. "Jetzt ausspucken wäre aber auch unhöflich", sagt er und kaut tapfer weiter. Mit einem kräftigen Schluck Tee spült der dann den Rest herunter. "Jetzt seid ihr dran", fordert er seine Tischnachbarn heraus.

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