Ärzte Zeitung online, 21.08.2009

Bewerber satt für ersten Schokolade-Verkoster Serbiens

BELGRAD (dpa). Lehrer, Rentner, Ingenieure, Rechtsanwälte und Richter, Schüler und Verwaltungsexperten: Alle wollen ihn ergattern, den Job "Erster Schokolade-Verkoster in Serbien". Die kleine Pralinenmanufaktur "San Marina" in der Hauptstadt Belgrad hat mit der Ausschreibung für den "Verkoster/Degustator" für Schokolade eine ungeahnte Bewerbungswelle ausgelöst.

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Foto: Leah-Anne Thompson ©www.fotolia.de

Mehr als 20 000 Menschen haben die nur im Internet erschienene Stellenanzeige angeklickt, über 1000 haben sich ausführlich und schriftlich samt eigenen Rezepten, Bildern und Erfahrungen beworben.

"Die Jüngsten waren 18, der älteste Bewerber war 86 Jahre", erzählt die Geschäftsmanagerin Merima Krstic. Selbst aus Südafrika, Großbritannien, Italien und Österreich trudelten Bewerbungen ein. Und das Erstaunliche: "Niemand hat nach der Bezahlung gefragt. Viele haben für den Anfang angeboten, bei uns unbezahlt zu arbeiten", sagt die Hotelfachfrau. "Nach vielen Gesprächen haben wir 100 Bewerber herausgepickt und suchen bei unserem Mann / unserer Frau jetzt das gewisse Etwas".

Die glückliche Person, die am Schluss zum Zuge kommt, braucht eigentlich nicht viele Voraussetzungen mitzubringen, erklärt die Geschäftsbesitzerin Marina Kaludjerovic (45) das Arbeitsfeld. Klar müsse sie Nichtraucher sein und Alkohol meiden. "Alles Andere werden wir ihr selbst beibringen". Es gilt, die heute schon 80 unterschiedlichen Geschmacksrichtungen der Schokoladen und Pralinen zu unterscheiden. Mithilfe des neuen Kollegen/der neuen Kollegin sollen es schon bald 100 Varianten sein.

Der erste Schokoladeverkoster des Landes soll einerseits mithelfen, neue Kreationen zu finden. Daher muss er alles testen und darf gegen nichts allergisch sein: Helle und dunkelste Schokolade mit Obst, Alkohol, Nüssen, Chili, Pfeffer, Paprika, Kardamom, Lavendel, Ginger. Wichtiger ist noch die Aufgabe, die Kunden zu beraten. "Er muss die Pralinen anbieten, die zum Typ des Kunden passen", sagt die Chefin. "Eine psychologisch heikle Aufgabe".

Aus 100 Gramm Schokolade werden im "San Marina" etwa acht Pralinen von Hand nach abgewandelten belgischen und niederländischen Rezepten als "kleine Kunstwerke" hergestellt. Die müssen bei Zimmertemperatur und ganz langsam genossen werden werden, beschreiben die beiden Damen die Prozedur beinahe andächtig. "Man muss die Konsistenz zwischen den Fingern spüren. Die Zähne knacken ganz vorsichtig den süßen Schmelz und bei genau 36 Grad entfaltet sich das volle Aroma auf der Zunge". "Luft kurz anhalten, über die Nase ausatmen und man ist glücklich", behaupten jedenfalls die Schokolade-Expertinnen.

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