Ärzte Zeitung, 23.01.2013

Leitartikel zum Doping

Keiner traut sich an die wahren Probleme

Was für ein Theater! Lance Armstrong gesteht, was längst alle wissen. Die Berichterstattung nach dem Motto "Guter Sportler - böser Sportler" erfährt ein neues Kapitel, dessen Inhalt kaum an der Oberfläche eines gesellschaftlichen Phänomens kratzt. Derweil sind an der Dopingspirale längst neue Windungen erkennbar.

Von Thomas Meißner

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Mit Blutkonserven wird bei Blutdoping die Hämoglobinkonzentration des Blutes erhöht.

© Shutterstock

Über künftig mögliche oder bereits praktizierte neue Formen des Blutdopings hat jüngst Professor Wolfgang Jelkmann berichtet. Der Lübecker Physiologe ist unter anderem als Gutachter etwa für die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA unterwegs.

Nach seinen Angaben ist der Transfer des Erythropoetin (Epo)-Gens im Tierversuch bereits gelungen, etwa per subkutaner Injektion oder indem transgene, Epo-produzierende Zellen in den Körper gebracht werden.

Das An- und Ausschalten der Epo-Produktion könnte mit dem Tetrazyklin-Derivat Doxycyclin kontrolliert werden. Die besonders leicht zugänglichen Hautzellen (Keratinozyten) sind so genetisch manipuliert worden, dass sie Epo produzieren.

Aus Effektivitäts- und Sicherheitsproblemen, vor allem immunologischer Art, dürften solche Methoden nach Jelkmanns Meinung die Sportszene zwar noch nicht erreicht haben. Dennoch müsse man sie im Auge behalten.

Viel bedeutsamer sind kleinmolekulare Stoffe, welche auf Transkriptionsfaktoren einwirken, die das endogene Epo-Gen kontrollieren. Diese Chemikalien seien leicht herzustellen und zu beziehen, warnt Jelkmann.

Kobaltsalze zum Beispiel induzieren sehr effektiv die Epo-Gen-Expression. Früher wurde Kobaltchlorid anämischen Patienten in Tablettenform verabreicht. Heute ist das wegen der toxischen Wirkungen des Kobalts auf viele Organsysteme obsolet.

Dennoch besteht seit Jahren der Verdacht, dass Athleten in Kobaltsalz eine willkommene Alternative zu rekombinantem Epo sehen ...

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