Ärzte Zeitung online, 12.08.2013
 

Superstar Usain Bolt

Wirklich ein sauberer Sieger?

Top-Favorit Usain Bolt siegt bei der Leichtathletik-WM in Moskau über 100-Meter und dabei gelingt es dem Jamaikaner sogar, das Thema Doping vorübergehend zu verdrängen - wenn auch nur für einen einzigen Abend.

Von Sebastian Stiekel

Superstar Usain Bolt: Wirklich ein sauberer Sieger?

Sprint-Superstar Bolt in seiner typischen Siegerpose.

© Bernd Thissen / dpa

MOSKAU. Um kurz vor Mitternacht endete das größte Sprintduell des Jahres mit einem Streit über Fußball. Nach all den Doping-Diskussionen, nach der WM-Entscheidung über 100 Meter und nach den großen Jubelszenen auf der Laufbahn saßen Usain Bolt und sein Rivale Justin Gatlin friedlich nebeneinander im Presseraum des Moskauer Luschniki-Stadions und frotzelten darüber, wer von beiden besser Fußball spielen könne.

Die kleine Anekdote passte perfekt hinein in einen Abend, an dem die bunte Usain-Bolt-Show in die Leichtathletik zurückkehrte.

An diesem Abend wurden die jüngsten Doping-Debatten zwar nicht beendet, aber zumindest verdrängt. An diesem Abend war der Superstar aus Jamaika wieder der sportliche Dominator, der große Entertainer und der umjubelte Held des Publikums in einer Person.

Anspannung und Pikiertheit

"Oh, Bolt - Du bist die Welt!", titelte die russische Zeitung "Sport Express" nach seinem hart erkämpften Sieg in 9,77 Sekunden. Für den Olympiasieger und Weltrekordhalter war es bereits das sechste WM-Gold seiner Karriere und vor allem die Rückeroberung des 100-Meter-Titels, den er 2011 in Daegu wegen seines Fehlstarts verlor. "Ich erledige nur meinen Teil der Arbeit, indem ich schnell laufe, Titel gewinne und der Welt zeige, dass man das auch sauber schaffen kann", meinte Bolt. "Genau damit will ich weitermachen."

Der 26-Jährige sagte auch: "Ich habe mir nie Sorgen gemacht, weil ich genau weiß, was ich kann." Zumindest das glaubte ihm am Sonntagabend im Luschniki-Stadion nicht jeder. Denn Usain Bolt und die WM in Moskau - das war bis zu diesem 100-Meter-Finale eher die Geschichte einer vorsichtigen Annäherung und längst kein grenzenloser Hype, wie es ihn noch vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen in London gab.

Der Superstar reagierte mit einer Mischung aus Anspannung und Pikiertheit darauf, dass nach den positiven Dopingtests bei Tyson Gay und Asafa Powell auch seine Titel und Rekorde immer misstrauischer gesehen wurden.

In Moskau ging er sowohl den Fans als auch den Medien zunächst aus dem Weg. Umgekehrt war auch das Stadion längst nicht ausverkauft, als die Sprinter zum vermeintlichen Höhepunkt der WM antraten.

Finale wurde in 160 Länder übertragen

Kurz nach dem Rennen war das alles vergessen. Bolt stand auf der Ziellinie und machte seine berühmte Bogenschützen-Geste. Er selbst lachte, das Stadion tobte - in diesem Moment war das Thema Doping weit weg. Mit jedem Meter der Ehrenrunde war die Erleichterung bei Bolt zuvor größer und der Jubel der Zuschauer lauter geworden.

"Ich will die Leute von diesen schlechten Dingen ablenken", sagte er. Auch aus Sicht des Weltverbandes IAAF war die Begeisterung um ihn das Beste, was der Leichtathletik und ihrer völlig auf den Jamaikaner zugeschnittenen Vermarktungsstrategie passieren konnte. "Er kann den Atem von allen anhalten", sagte das deutsche Council-Mitglied Helmut Digel. "Dieses Finale ist in 160 Ländern übertragen worden. Es war fantastisch, wie acht Läufer die Welt bewegen."

Zweifel werden immer bleiben

Zum Thema Doping meinte Digel: Bolt sei - "einer von 2000 Athleten, bei dem man nicht genau wissen kann, ob sie sauber oder nicht sauber an den Start gehen. Wie will man das beurteilen?" Das klang deutlich differenzierter als das ewige "Usain-Bolt-ist-sauber"-Mantra seines Präsidenten Lamine Diack.

Digel weiß genau: Die Doping-Diskussion ist nicht aus der Welt, nur weil Bolt auf einmal wieder gefeiert wurde, als ob es die Affäre um Gay und Powell nie gegeben hätte.

Fünf Sprinter blieben am Sonntag unter einer Zeit von 10 Sekunden. Dabei hatte es in Strömen geregnet und Namen wie Gay oder der verletzte Titelverteidiger Yohan Blake waren nicht einmal dabei.

Bei allem Misstrauen wird die Usain-Bolt-Show in den nächsten Tagen aber erst einmal weitergehen. Der 100-Meter-Weltmeister wird in Moskau auch noch über 200 (Samstag) und 4 x 100 Meter (Sonntag) starten. Sollte er diese beiden Rennen ebenfalls gewinnen, würde er Carl Lewis als erfolgreichsten Athleten der WM-Geschichte ablösen. "Ich arbeite weiter daran, Goldmedaillen zu sammeln", meinte Bolt. Nur einen neuen 200-Meter-Weltrekord könne er "nicht versprechen". (dpa)

[28.08.2013, 13:47:55]
Dr. Horst Grünwoldt 
Gerüchte-Küche
Ganz schlimm, daß der Deutsche -Leichtathletik -Verbands (DLV)-Präsident Digel den glorreichen Supersprinter Osain Bolt verdächtigt, "unsauber" zu sein! Da zeigt sich sogar der ältere IAAF-Präsident, der Senegalese Diack, vorurteilsfreier.
Schließlich hätte man den Wundersprinter längst auf die bei den Konkurrenten gefundenen Spuren, testen können (was gewiß auch geschehen ist).
Jeder Laufbegeisterte konnte bei der Moskauer WM wiederholt sehen, mit welchen angeborenen Gaben der Sprinter Bolt gesegnet ist. Da zeigt sich immer wieder ein Modell-Athlet, der sowohl physisch entspannt und zugleich mental konzentriert ist. Die herausragende Größe mit wunderbaren biomechanischen Proportionen ermöglichen einen optimalen Sprint, der minderbegabte Konkurrenten einfach stehen läßt.
Dazu braucht und gibt es keine "Doping"-Mittelchen!
Von den Funktionärs- Gerüchten, die durch die Medien auch unters (gemeine) Volk auf die Straße gebracht werden, lebt vor allem der Krake WADA und seine Spurensucher. Dabei scheinen sich beide Seiten nicht klar zu sein, daß sie fortgesetzt den Hochleistungs-Sport mit dem Phantom "Doping" kriminalisieren.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gegen Husten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet. mehr »

Erst krebskrank, dann Hypertoniker

Überlebende von Krebserkrankungen in der Kindheit tragen ein erhöhtes Hypertonierisiko: Im Alter von 50 Jahren sind 70 Prozent betroffen. mehr »

Macht das Stadtleben krank?

Stadtluft kann Schizophrenie begünstigen, glauben Wissenschaftler. Ein Chefarzt der Charité fordert deshalb eine Public-Mental-Health-Strategie für urbane Räume. mehr »