Ärzte Zeitung, 29.07.2004

LDL-Senkung allein reicht nicht - auch der HDL-Wert muß stimmen

Positionspapier zu HDL-Cholesterin und Herzschutz von Gefäßexperten veröffentlicht

STRASSBURG (ner). In einem Positionspapier haben europäische Atherosklerose-Forscher, Stoffwechsel-Spezialisten und Internisten eine verstärkte Beachtung des HDL-Cholesterins in der Primär- und Sekundärprävention bei Atherosklerose-Patienten gefordert.

Patient mit Herzinfarkt: Trotz Statintherapie zur Myokardinfarkt-Prophylaxe kommt es oft zu neuen oder rezidivierenden koronaren Ereignissen. Foto: AOK

Trotz aggressiver LDL-Senkung mit Statinen hätten alle großen Lipidsenker-Studien eine "unakzeptabel hohe Rate" für schwere kardiovaskuläre Ereignisse belegt, so Mitglieder des European Consensus Panel on HDL-C bei einer Veranstaltung in Straßburg in Frankreich.

Durchschnittlich 70 Prozent der Patienten, die zur Vorbeugung eines Myokardinfarktes eine Statin-Therapie erhalten, hätten innerhalb von fünf Jahren neue oder rezidivierende koronare Ereignisse, so Professor John Chapman, Atherosklerose-Forscher am Pitié-Salpétrière Hospital in Paris und seine Kollegen. Mit der LDL-Senkung allein sei es also nicht getan.

Chapman ist einer der Hauptautoren des Konsensuspapiers von 21 Spezialisten aus neun europäischen Ländern. In dem jetzt veröffentlichten Papier (Curr Med Res Opin 20 (8), 2004, 1253) stellen sie fest, daß das HDL nach den Ergebnissen von epidemiologischen, klinischen und Interventionsstudien der wichtigste unabhängige Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen ist. Sie fordern daher, optimale HDL-Spiegel bei Männern und Frauen sowie besonders bei Risikopersonen wie Diabetikern und Patienten mit metabolischem Syndrom zu definieren.

Nach derzeitigem Wissen seien mindestens 50 mg/dl bei Frauen und 40 mg/dl bei Männern anzustreben, hieß es bei der vom Unternehmen Merck KGaA unterstützten Veranstaltung. Allerdings müsse das HDL stets im Zusammenhang mit den weiteren bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren gesehen werden, betonten die Spezialisten.

Die derzeit effektivste Strategie zur Anhebung des HDL bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko seien außer intensiven Bemühungen um die Veränderung des Lebensstils die Therapie mit Nikotinsäure in Kombination mit einem Statin. Nikotinsäure ist in Deutschland als Niaspan® für diese Indikation zugelassen.

Das European Consensus Panel fordert zudem eine internationale Standardisierung bei der labortechnischen Bestimmung des HDL-Cholesterins.

Das Papier steht unter: www.cmrojournal.com ("CMRO Online", dann "FastTrack" klicken).

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