Ärzte Zeitung, 14.01.2005

Kampf gegen Eßstörungen soll verstärkt werden

Sachsen-Anhalt will Netzwerk für Austausch an Informationen aufbauen und setzt dabei auch auf Hausärzte  

MAGDEBURG (ddp). Sachsen-Anhalt will sich engagierter dem Kampf gegen Eß-Störungen widmen. Untersuchungen hätten ergeben, daß Eßstörungen bisher zu gering beachtet wurden, sagte Gesundheitsminister Gerry Kley (FDP).

Obwohl es keine Vergleichsdaten gebe, könne davon ausgegangen werden, daß die Zahl der Jugendlichen, die unter Anorexie, Bulimie oder Adipositas leiden, erheblich zugenommen hat. Die Dunkelziffer sei sehr hoch. Oft sei die erste Anlaufstelle nicht die Suchtberatung, sondern der Hausarzt, betonte Kley.

Da es keine Zwangsbehandlung für die Betroffenen gibt, müßten vor allem Ärzte, Schulen und Familienangehörige sowie Freunde der Eßkranken für die Krankheit sensibilisiert werden. Um den Erkrankten frühzeitig zu helfen, solle in Sachsen-Anhalt ein Netzwerk für den Austausch von Informationen zu neuesten medizinischen Untersuchungen und Methoden eingerichtet werden, sagte Kley. Die Resonanz für das Projekt sei bei den Fachärzten sehr gut, betonte der Minister.

Derzeit wollten sich 70 Interessenten wie Hausärzte, Vertreter psychiatrischer Kliniken und Suchtberatungsstellen an dem Netzwerk beteiligen. Auch soll das Thema verstärkt in den Schulen angesprochen werden. Es sei vorstellbar, daß das Thema Eßstörungen zusätzlich in den Biologieunterricht eingebracht werden könnte. Mit den geplanten Maßnahmen lasse sich die Krankheit zwar nicht eindämmen, mit der Sensibilisierung könne sie aber frühzeitig erkannt und die Betroffenen könnten behandelt werden, so Kley.

Eßstörungen werden als psychosomatische Erkrankungen mit Suchtcharakter definiert. So werden unter anderem die Typen Anorexia nervosa, Bulimia nervosa sowie Adipositas unterschieden. Nach einer Datenerhebung von 2002 wurden in Sachsen-Anhalt 94 Mädchen in einer der 30 Suchtberatungsstellen wegen Eßstörungen betreut.

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