Ärzte Zeitung, 30.05.2005

Niacin erhöht HDL und steigert Statineffekte

BERLIN (hbr). Ist bei Patienten mit Dyslipidämie das HDL vermindert, kommt Niacin erfolgreich zum Einsatz - auch in Kombination mit einem Statin. Mit einer solchen Therapie läßt sich auch die Atherosklerose aufhalten.

Vermindertes HDL ist ein häufiger Befund bei Typ-2-Diabetikern und Patienten mit metabolischem Syndrom, die eine Dyslipidämie haben. Professor Heinz Drexel vom Krankenhaus Feldkirch in Österreich plädiert hier für retardierte Nikotinsäure. Sie ermöglicht HDL-Steigerungen von über 25 Prozent. Außerdem sinkt die meist gleichzeitig bestehende Hypertriglyzeridämie. Die Kombination von retardiertem Niacin (Niaspan®) mit einem Statin ermöglicht gute Ergebnisse: Bei einer Tagesdosis von 2000 mg Niacin plus 40 mg Lovastatin stiegen die HDL-Werte im Vergleich zum Ausgangswert um 30 Prozent, die Triglyzeride fielen um 41 Prozent. Zudem wurde die LDL-Senkung des Statins verstärkt.

Der Nutzen der Kombitherapie ist am Gefäß meßbar. Das belegte vor kurzem die ARBITER-2-Studie (Arterial Biology for the Investigation of the Treatment Effects of Reducing Cholesterol) mit 167 KHK-Patienten. Deren HDL-Cholesterin lag unter 45 mg / dl. Das berichtete Drexel bei einem Symposium von Merck Pharma beim Prädiabetes-Kongreß in Berlin. Ein Jahr lang nahmen sie zusätzlich zu einem Statin 1000 mg retardiertes Niacin oder ein Placebo ein. Bei den nur mit einem Statin Behandelten nahm die Intima-media-Dicke der Karotisarterie signifikant zu. Die Niacin-Kombination dagegen verzögerte die Progression der Atherosklerose deutlich.

Als Nebeneffekt ist ein Einfluß auf die Blutzuckerwerte zwar möglich. In der ADMIT-Studie (Arterial Disease Multiple Intervention Trial) war davon aber nichts zu bemerken. 125 Patienten mit Typ-2-Diabetes hatten 60 Wochen täglich bis zu 3000  mg nicht verzögertes Niacin oder Placebo erhalten. Mit Niacin stieg der Nüchternwert nur gering und nicht-signifikant.

Im Vergleich zum nicht verzögerten ist retardiertes Niacin verträglicher. Flush-Episoden sind damit seltener, sagte Drexel. So hatte jeder zweite Patient einer Studie weniger als drei Flushs in zwei Monaten und jeder vierte gar keinen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Herpes-Viren unter Alzheimerverdacht

Die Virus-Hypothese erhält neue Nahrung: Herpesviren könnten mit einer Alzheimererkrankung zusammenhängen. Eine Reaktivierung der Viren könnte die Krankheit befeuern. mehr »

Das alles muss das Verarbeitungsverzeichnis enthalten

Zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung müssen Arztpraxen ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" anlegen. Was darin alles aufgeführt werden muss, fassen zwei Medizinrechtler zusammen. mehr »

Übermüdete Teens oft adipös und hyperton

Sowohl zu kurzer als auch schlechter Schlaf erhöht bei Jugendlichen das kardiometabolische Risiko. In der bisher größten Studie zum Thema wirkten sich entsprechende Defizite negativ auf Taillenumfang, Blutdruck und Lipide aus. mehr »