Ärzte Zeitung, 09.06.2005

Vier Fragen helfen, mangelernährte Patienten zu erkennen

Nicht nur ein niedriger BMI, auch plötzlicher Gewichtsverlust, schwere Krankheit und Appetitlosigkeit deuten auf schlechten Ernährungszustand

BERLIN (gvg). Ob ein Patient mangelernährt ist, sieht auch ein erfahrener Arzt nicht immer auf den ersten Blick. Vier Fragen und ein kurzer Test können die Diagnose sichern helfen.

Eine alte Frau benötigt Hilfe beim Trinken. Nicht immer sieht man Menschen eine Mangelernährung an. Foto: dpa

Jeder vierte bis fünfte Patient, der in internistischen und chirurgischen Abteilungen größerer Kliniken stationär aufgenommen wird, ist mangelernährt, sagte Privatdozent Johann Ockenga von der Charité in Berlin. Bei den meisten davon wird diese Diagnose erst in der Klinik gestellt, obwohl sie auch schon ambulant hätte auffallen können.

Für Ockenga sind bei der Beurteilung des Ernährungszustands vier Fragen entscheidend: Liegt der Body Mass Index (BMI) unter 20,5 kg/m2? Hat der Patient in den vergangenen drei Monaten an Gewicht verloren? War die Nahrungszufuhr in der vergangenen Woche vermindert? Und: Ist der Patient schwer krank? Wird nur eine dieser Fragen mit "Ja" beantwortet, sollte genauer hingesehen und ein Ernährungsstatus erhoben werden.

Das kann zum Beispiel das nur wenige Minuten beanspruchende Subjective Global Assessment (SGA) sein. Dabei werden die Patienten anhand von Gewichtsentwicklung, Nahrungszufuhr, gastrointestinalen Symptomen, Leistungsfähigkeit sowie körperlichen und metabolischen Zeichen in drei Kategorien (A bis C) eingeteilt.

Wer sich an dieses Vorgehen halte, der übersehe auch die Mangelernährung eines Adipösen nicht, der in kurzer Zeit acht Kilogramm abgenommen hat und äußerlich trotzdem noch überernährt aussehe, wie Ockenga auf der von Baxter unterstützten Veranstaltung gesagt hat.

Über eine Ernährungstherapie sollte bei Patienten mit der Kategorie B nachgedacht werden. Bei Patienten der Kategorie C sei sie zwingend, so Ockenga. Wenn eine normale Ernährung möglich ist, sollte das versucht und der Ernährungszustand wöchentlich kontrolliert werden. Ist das nicht möglich, muß eine orale, enterale oder parenterale künstliche Ernährung eingeleitet werden.

Den Fragebogen zum Subjective Global Assessment (SGA) gibt es im Internet (www.dgem.de/fragen/bogen.pdf). Ein Algorithmus für die Ernährungstherapie ist bei www.baxter-infusionen.de erhältlich.

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