Ärzte Zeitung, 16.06.2005

Deutlich erhöhtes Krebsrisiko mit rotem Fleisch

BETHESDA (ddp.vwd). Der tägliche Genuß von 100 Gramm rotem Fleisch oder Fleischprodukten erhöht das Darmkrebsrisiko um 50 Prozent. Dagegen halbiert die gleiche Menge Fisch das Risiko. Das schließt ein Forscherteam unter Beteiligung deutscher Wissenschaftler aus den Ergebnissen einer Studie an fast 500 000 Teilnehmern.

Die Forscher um Dr. Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam und Dr. Jakob Linseisen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg stellen ihre Daten in der Fachzeitschrift "Journal of the National Cancer Institute" (97, 2005, 906) vor.

Erste Hinweise auf erhöhtes Krebsrisiko bereits 1990

Bereits 1990 lieferte eine Studie erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Fleischverzehr und Darmkrebsrisiko. Um diesen Verdacht genauer zu untersuchen, beobachten die Wissenschaftler in der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) seit 1992 Ernährungsgewohnheiten und Inzidenz von Krebserkrankungen bei knapp 480 000 Freiwilligen aus zehn europäischen Ländern. Knapp fünf Jahre nach Beginn der Studie wurde bei 1329 Teilnehmern ein Kolorektal-Karzinom diagnostiziert.

Nach der Berücksichtigung anderer Faktoren wie Alter, tägliche Kalorienaufnahme, Gewicht, körperliche Aktivität, Tabak- und Alkoholkonsum sowie der täglich aufgenommenen Menge an Ballaststoffen und Folsäure fanden die Forscher einen signifikanten statistischen Zusammenhang zwischen Krebsrate und der täglich verzehrten Menge an Fleisch, Fleischprodukten und Fisch: Pro 100 Gramm Schweine-, Rind-, Lamm- oder Kalbfleisch täglich steigt das Krebsrisiko demnach um 49 Prozent und pro 100 Gramm Wurst, Speck, Fleischkonserven oder Schinken sogar um 70 Prozent. 100 Gramm Fisch täglich senken dagegen das Risiko um etwa 50 Prozent. Der Verzehr von Geflügel hat keinen Einfluß auf das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Der Pathomechanismus ist noch weitgehend unklar

Wie rotes Fleisch die Krebshäufigkeit beeinflußt, wissen die Forscher bislang nicht. Sie vermuten, daß das Eisen im Hämoglobin, das in rotem Fleisch in großen Mengen vorhanden ist, im Körper die Bildung schädlicher Stickstoffverbindungen verstärkt.

Auch Substanzen, die beim Grillen oder Räuchern von Fleisch entstehen, könnten bedeutsam sein. Fisch dagegen enthält langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren, die - so die Forscher - schützend wirken könnten.

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