Ärzte Zeitung, 01.12.2005

Schützt Lipidsenker die Gefäße Nierenkranker?

Therapie bei Fettstoffwechselstörung ist Option zur Besserung der Nierenfunktion / Aktuelle Studie mit 9000 Patienten

BERLIN (grue). Nierenkranke haben ein atherogenes Lipidprofil und deshalb ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Ob eine lipidsenkende Therapie die Gefäße schützt, wird derzeit in der SHARP-Studie untersucht.

Eine eingeschränkte glomeruläre Filtration mit Flußraten von unter 60 Millilitern pro Minute und der Nachweis von Eiweißspuren im Harn weisen auf eine Nephropathie hin und sind eigenständige Risikofaktoren für kardiovaskuläre Ereignisse.

Nierenkranke Patienten lagern vermehrt Kalk in die Gefäßwände ein und haben außerdem ein atherogenes Lipidprofil, wie Professor Jan Galle aus Würzburg bei einer Veranstaltung von MSD in Berlin gesagt hat. Dabei sei die Niere Täter und Opfer zugleich. Sie trägt bei gestörter Filterfunktion zur Beschleunigung atherosklerotischer Vorgänge bei, ist aber auch eines der ersten Organe, an dem sich der Gefäßschaden manifestiert. Eine Reduktion der Albuminurie, wie sie etwa in der LIFE-Studie mit Losartan (Lorzaar®) erzielt worden ist, ist deshalb ein wichtiges Ziel.

      Effekt früher Intervention wird geprüft.
   

Eine weitere Option zur Besserung der Nierenfunktion ist die Therapie der Fettstoffwechselstörung. In der 4D-Studie wurde geprüft, ob Atorvastatin die Prognose dialysepflichtiger Diabetiker im Vergleich zu Placebo bessert. In Bezug auf den primären Endpunkt (kardio- und zerebrovaskulären Ereignisse) bestätigte sich das aber nicht. Womöglich kam die Therapie für die Schwerkranken einfach zu spät, so Galle.

In der SHARP-Studie (Study of Heart and Renal Protection) wird deshalb früh interveniert. Daran teilnehmen können Patienten mit einem Kreatininwert von 1,5 mg/dl (Frauen) oder 1,7 mg/dl (Männer) oder darüber sowie Nierenkranke, die dialysepflichtig sind. Explizit ausgeschlossen sind Patienten mit KHK oder nach Koronareingriffen. "Bei dieser Ausgangslage wird derzeit nicht mit einem Statin behandelt, das könnte aber sinnvoll sein", sagte Galle.

In der dreiarmigen Studie werden 9000 Patienten entweder mit Placebo oder mit Simvastatin oder mit Simvastatin plus Ezetimib (Inegy®) behandelt. Die Ergebnisse der Sechs-Jahres-Studie werden 2009 erwartet.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Zufallsbefunde – Wer sucht, der findet

Bei der bildgebenden Diagnostik kann es vorkommen, dass unerwartet ein Befund jenseits des eigentlichen Anlasses auftaucht. Das sollte man den Patienten klarmachen – vorher. mehr »

Alternativszenario voller Sprengkraft

Bei einem Modellprojekt in Baden-Württemberg ist die sektorenübergreifende Versorgung durchgespielt worden. Der Abschlussbericht enthält Empfehlungen, die es in sich haben - und das Konfliktpotenzial deutlich machen. mehr »

Streit um "Strafgebühr" im Krankenhaus

KBV-Chef Gassen fordert für Patienten, die mit Bagatellerkrankungen in die Notfallambulanz der Kliniken kommen, eine Gebühr. Das hält die DKG für "schlicht falsch". Die Linke mutmaßt: "Notaufnahmen nur für Reiche"? mehr »