Ärzte Zeitung, 22.01.2007

Folsäure hält Hirnfunktion älterer Menschen in Schwung

Wirkung einer dreijährigen Behandlung auf kognitive Funktionen geprüft / Gedächtnis verbessert und Informationsverarbeitung beschleunigt

LONDON (ob). Die regelmäßige Einnahme von Folsäure kann bei älteren Menschen mit erhöhten Homocysteinwerten die Hirnleistung fördern. Unter den kognitiven Funktionen lassen sich damit vor allem Erinnerungsvermögen und Informationsverarbeitung verbessern.

Das haben niederländische Wissenschaftler in einer Studie mit mehr als 800 Probanden belegt. Versuchsteilnehmer, die drei Jahre lang zusätzlich Folsäure bekamen, erinnerten sich besser und konnten Informationen schneller verarbeiten als mit Placebo behandelte Kontrollen, wie Dr. Jane Durga von der niederländischen Universität Wageningen und Kollegen im Medizinjournal "The Lancet" (369, 2007, 208) berichten.

Je älter Menschen werden, um so mehr nimmt die Leistung des Gehirns ab. Schon länger vermuten Forscher, dass niedrige Folsäurewerte und ein damit verbundener Anstieg der schädlichen Aminosäure Homocystein im Blut zu sinkender Gehirnleistung führen. Zudem könnte ein erhöhter Homocysteingehalt das Demenz-Risiko erhöhen. Folsäure senkt die Homocystein-Konzentration.

Die Wissenschaftler um Durga untersuchten die kognitiven Fähigkeiten von 818 Männern und Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren mit erhöhten Homocysteinwerten zwischen 13 µmol/l und  26 µmol/l. Die Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt, wobei die erste Gruppe drei Jahre lang 800 µg Folsäure täglich einnahm, während die andere Gruppe Placebo bekam.

In der Verumgruppe nahm die Folsäurekonzentration um fast 600 Prozent zu, der Homocystein-Spiegel sank um 26 Prozent. Bei zwei von insgesamt fünf kognitiven Funktionstests schnitten diese Probanden besser ab als jene der Placebogruppe. Ihre Leistungen glichen, was Gedächtnis und Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung betraf, denen von zwei bis fünf Jahre jüngeren Menschen.

Nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nehmen fast alle Deutschen zu wenig Folsäure über die Nahrung auf. Empfohlen wird eine Tagesdosis von 400 µg. Vollkornprodukte, Leber und Gemüse wie Spinat und Broccoli enthalten dieses Vitamin aus dem B-Komplex.

Ein Folsäuremangel kann in der Schwangerschaft zu Fehlbildungen führen. In Ländern wie Kanada und den USA wird Folsäure schon länger mehlhaltigen Nahrungsmitteln beigemischt. Dadurch haben besonders Neuralrohrdefekte bei Neugeborenen deutlich abgenommen. In der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen konnte die Behandlung mit Folsäure dagegen bislang nicht überzeugen.

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