Ärzte Zeitung, 14.03.2007

Bei niedrigem LDL-Ziel kann Kombitherapie sinnvoll sein

Mit Skalen wie dem PROCAM-Score lassen sich Kandidaten für eine Lipidsenkung leicht herausfiltern / LDL-Zielwert bei KHK ist unter 100 mg/dl

HAMBURG (nke). "Risikopatienten herausfiltern und leitliniengerecht behandeln, aber nicht Statine mit der Gießkanne verteilen bei allen Menschen mit Cholesterinwerten über 200." Wer das Prinzip verfolgt und sorgfältig dokumentiert, so Dr. Michael Elberfeld, braucht Regresse nicht zu befürchten.

Der Allgemeinarzt aus Leverkusen empfiehlt für die Risikobeurteilung zum Beispiel den PROCAM-Score. Damit könne man schnell das individuelle Risiko eines Patienten für ein kardiales Ereignis innerhalb der nächsten zehn Jahre abschätzen. Die PROCAM-Berechnung kann man den Patienten mitgeben und eine Kopie zur Dokumentation in den Akten behalten.

Allen Personen mit zwei oder mehr Risikofaktoren, wie Rauchen, Übergewicht und Hypertonie, sollten nach Ausschöpfen der Maßnahmen zur Lebensstiländerung eine Statintherapie erhalten und einen LDL-Cholesterinwert von unter 130 mg/dl erreichen.

Bei Patienten mit bekannter koronarer Herzerkrankung oder mit dem so genannten KHK-Risikoäquivalent - Diabetes mellitus, peripherer AVK oder früherer Apoplexie - reicht dieser Zielwert nicht aus. Bei ihnen sollte der LDL-Cholesterinwert unter 100 mg/dl liegen. "Alle KHK-Patienten profitieren von einer cholesterinsenkenden Therapie", betonte Professor Ulrich Laufs aus Homburg/Saar bei einem Symposium der Unternehmen MSD und Essex in Hamburg.

Dabei seien Statine, außer den Lebensstilfaktoren, die Basis der Therapie. Es reiche aber nicht aus, die Mittel zu verordnen, der Behandlungserfolg sollte auch geprüft werden. Falls der Zielwert mit einer Monotherapie nicht erreicht werde, könne es sinnvoll sein, auf ein Kombinationspräparat wie Inegy® (Ezetimib plus Simvastatin) auszuweichen. Denn damit könne ein höherer Effekt erreicht werden, als durch Dosiserhöhung des Statins.

Wer weder auf das Statin noch auf die Kombination anspreche, nimmt vermutlich die Medikamente nicht ein, ergänzte Professor Hans-Willi Breuer aus Görlitz. Denn es sei sehr unwahrscheinlich, dass beide Wirkprinzipien bei Patienten nicht anschlagen.

STICHWORT

PROCAM-Skala

Zur Analyse von KHK-Risiken eignet sich der PROCAM-Risikotest im Internet (www.chd-taskforce.de). Abgeschätzt wird das Risiko eines Menschen, binnen zehn Jahren ein kardiovaskuläres Ereignis zu bekommen. In den Test gehen die Werte für LDL- und HDL-Cholesterin, Nüchternblutzucker und Blutdruck ein, außerdem Alter, Raucherstatus, Herzinfarkte in der Familie sowie Größe und Gewicht.

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