Ärzte Zeitung online, 06.08.2008

"Trinkwasser ist das bestkontrollierte Lebensmittel in Europa"

BERLIN (dpa). Die Verbraucher-Organisation Foodwatch hat auf Basis von Länderangaben festgestellt, dass 150 von 8200 gemeldeten Wasser-Messdaten oberhalb von 10 Mikrogramm Uran pro Liter liegen. Betroffen sind vor allem die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern. Dagegen gaben Berlin und Nordrhein-Westfalen Entwarnung.

Angesichts hoher Uran-Konzentrationen in etlichen Leitungswasser-Proben hat die Verbraucherschutzorganisation eine bessere Informationspolitik von Städten und Gemeinden gefordert.

"Die Informationshoheit der Beamten zählt mehr als das Informationsrecht der Bürger", kritisierte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode in der "Berliner Zeitung". Er forderte eine Informationspflicht auf der Wasserrechnung, sobald der Uran-Wert über der für Säuglingsnahrung geltenden Obergrenze von 2 Mikrogramm pro Liter Wasser liegt.

Sonst liegt der Richtwert des Umweltbundesamtes bei 10 Mirkrogramm pro Liter. Der Urangehalt von etwa 800 und damit fast jeder zehnten Probe lag zwischen 2 und 10 Mikrogramm. Uran und seine Verbindungen können zu schweren Nieren- und Leberschäden sowie zu inneren Blutungen führen.

Die Versorger warnten unterdessen vor übertriebener Aufregung. "Die Debatte ist nichts Neues", sagte Berthold Niehus von der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW) in Bonn der "Frankfurter Rundschau". Die Uran-Werte seien bekannt. Betroffen seien auch nur einige Regionen.

Bereits im April habe der Verband, der 1500 der 6400 deutschen Wasserversorger vertritt, seine Wasserwerke angeschrieben und auf Lösungsmöglichkeiten hingewiesen. Oftmals reiche es aus, die Zulauf-Bereiche von Brunnen abzuschotten.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, warnte vor übertriebenem Aktionismus. Trinkwasser in Deutschland sei "das bestkontrollierte Lebensmittel in Europa", sagte Landsberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Hinsichtlich des erhöhten Urangehalts handele es sich "nur um ein punktuell auftretendes Problem". Die von Foodwatch erhobene Studie habe in 98 Prozent der Fälle einen Messwert ermittelt, der deutlich unter dem Richtwert von 10 Mikrogramm pro Liter liege.

Wenn Bund und Länder verbindliche Grenzwerte vorschreiben wollten, müssten sie zugleich sicherstellen, dass "die damit verbundenen Kosten für zusätzliche Uranfilteranlagen auch finanziert werden", forderte Landsberg. Um die Bürger besser zu schützen, wollen Bund und Länder aus dem Leitwert des Umweltbundesamtes von 10 Mikrogramm Uran je Liter Trinkwasser einen verbindlichen Grenzwert machen.

Das hatten das Bundesgesundheitsministerium sowie die Länder Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt am Dienstag nach jahrelangen Aufforderungen von Foodwatch angekündigt.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert einen strengen Grenzwert für Uran in Trinkwasser, der so niedrig wie möglich sein soll. Als Orientierung solle der Höchstwert für Säuglingsnahrungdienen.

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