Ärzte Zeitung online, 09.02.2009

Filmpremiere "Food, Inc." - Essen für den Profit

BERLIN (dpa). Bei diesem Film verging den Zuschauern garantiert der Appetit. Tödliche Kolibakterien im Rindfleisch, Truthähne, die ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen können und deren Kadaver in dunklen Ställen verrotten: Zum Auftakt der Berlinale-Reihe Kulinarisches Kino zeigte der amerikanische Dokumentarfilm "Food, Inc." von Regisseur Robert Kenner die Abgründe der industriellen Lebensmittelproduktion.

Angesichts zahlreicher Lebensmittelskandale treffen Filme wie "Food, Inc.", der österreichische "We feed the world" oder "Super Size Me" den Nerv der Zeit. Die Zuschauer feierten die Europapremiere der Dokumentation am Sonntag im neuen Berlinale- Kino Friedrichstadtpalast mit lang anhaltendem Applaus.

Die Protagonisten und Bestsellerautoren Eric Schlosser (Drehbuchautor von "Fast Food Nation") und Michael Pollan lassen in ihrem Film eine Mutter zu Wort kommen, deren kleiner Sohn an einer Lebensmittelvergiftung starb, hervorgerufen durch verseuchtes Fleisch. Kenners Film zeigt plastisch, wie wenige große Konzerne den weltweiten Lebensmittelmarkt beherrschen. Profit ist dabei stets wichtiger als die Gesundheit der Verbraucher und der Mitarbeiter.

Berlinale-Festivalchef Dieter Kosslick liegt die Reihe Kulinarisches Kino besonders am Herzen. Mit Filmen wie "Food, Inc." will er den Menschen bewusst machen, dass sie mit jedem Einkauf beeinflussen können, welches Essen die Industrie produziert.

Die Filmemacher diskutierten nach dem Film mit der Ex-Ernährungsministerin Renate Künast (Grüne) und dem Schauspieler Gael Garcia Bernal. Regisseur Kenner sagte, angesichts dramatisch hoher Zahlen von Diabeteskranken könne der neue US-Präsident Barack Obama das Gesundheitssystem Amerikas nur verbessern, wenn gleichzeitig die Nahrungsmittelindustrie verändert werde.

In der Reihe sind bis zum 12. Februar im Martin-Gropius-Bau je fünf Spiel- und Dokumentarfilme sowie vier Kurzfilme zu sehen, in denen sich alles ums Kochen und Genießen dreht. Nach dem Kino gibt es Gesprächsrunden mit Politikern und Lebensmittelexperten. Deutsche Spitzenköche wie Lea Linster, Cornelia Poletto und Kolja Kleeberg servieren ein von den Filmen inspiriertes Menü.

Internet: www.berlinale.de und http://takepart.com/foodinc

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »