Ärzte Zeitung online, 18.06.2010

Deutsche kaufen nur wenig Obst

HAMBURG (dpa). Die Deutschen kaufen trotz sinkender Preise im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn nur wenig Obst und Gemüse. "Die Menschen verlieren die Wertschätzung für eine gesunde Ernährung", sagte der Präsident des Deutschen Fruchthandelsverbands (DFHV), Jürgen Boruszewski, am Donnerstag in Hamburg.

Nach einer DFHV-Statistik isst jeder Deutsche nur 360 Gramm Obst und Gemüse pro Tag - weit weniger als die Nachbarn vor allem im Süden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfehle 650 Gramm. Sorgen bereitet dem Verband der Preisverfall im Fruchthandel. Dieser gefährde die Produktion in Deutschland.

Im vergangenen Jahr wurde Obst im Einzelhandel durchschnittlich 6,7 Prozent günstiger angeboten als 2008, berichtete DFHV-Geschäftsführer Andreas Brügger. Der Preis für Äpfel sank um 10,6 Prozent, der für Ananas um 7 Prozent. Für DFHV-Vizepräsident Thomas Bitter sind die heutigen Preise "nur schwer nachvollziehbar". Vor allem bei Discountern müssten Obst und Gemüse oft für Preisschlachten herhalten. Im Rahmen von Aktionen würden Produkte sogar unter dem Einkaufpreis verkauft. Bitter befürchtet, dass sich die Produktion von Obst und Gemüse in Deutschland bald nicht mehr lohne. Bereits heute wird Obst zu etwa 80 Prozent importiert. Auch Gemüse stammt größtenteils aus dem Ausland.

Zwar ist für Boruszewski neben kulturellen Unterschieden bei den Essgewohnheiten eine deutsche "Geiz-ist-geil-Mentalität" für die sinkenden Preise verantwortlich. Laut Bitter würden die Verbraucher aber auch höhere Preise akzeptieren. Dies hätten Tests ergeben. "Wenn Blumenkohl auf dem Einkaufszettel steht, wird Blumenkohl gekauft. Dann ist es unerheblich, ob er 39 oder 49 Cent kostet." Für den Händler sei dieser Unterschied aber entscheidend.

Als Konsequenz forderte Boruszewski Handel und Politik auf, "insbesondere Kindern und Jugendlichen die Wertigkeit gesunder Produkte nahe zu bringen". Er verstehe nicht, warum das Schulfruchtprogramm der EU in neun Bundesländern wegen "angeblichen Bürokratieaufwands" gescheitert sei. "Das Geld lag auf der Straße", sagte der Verbandspräsident. "Hier ist eine Chance verpasst worden, auch den Konsum von Obst und Gemüse zu steigern."

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