Ärzte Zeitung online, 24.03.2016

Foodwatch

Mineralöl in Schokohasen

Hasen, Lämmer und Eier aus Schokolade landen millionenfach in Osterkörbchen der Deutschen - und in ihren Mägen. Wie andere Lebensmittel enthalten auch diese Leckereien bedenkliche Stoffe, berichtet Foodwatch.

BERLIN. Nach Reis, Cornflakes und Adventskalendern war es fast zu erwarten: Auch in Osterhasen aus Schokolade sind nach Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch Spuren von Mineralölen nachweisbar.

Rückstände potenziell krebserregender aromatischer Mineralöle (MOAH) fanden sich bei Tests in geringen Konzentrationen in 8 von 20 Hasen verschiedener Hersteller, wie die Organisation berichtete.

"Das Vorkommen von Mineralölbestandteilen, insbesondere von MOAH, in Lebensmitteln ist prinzipiell unerwünscht", teilte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf Anfrage mit.

Es hat seit Jahren Kenntnis von der Problematik, dass Mineralöle aus bestimmten Verpackungen auf Lebensmittel übergehen können.

Nach wie vor gebe es noch keine ausreichenden toxikologischen Informationen zu den Stoffen, so das BfR.

Hersteller: "Schokohasen entsprechen dem Lebensmittelrecht"

Nach einer ähnlichen Untersuchung mit Adventskalendern 2015 sahen die Experten wegen geringer Aufnahmemengen pro Tag keine neue Gesundheitsgefahr für Verbraucher.

"Die aktuell getesteten Schokoladenosterhasen entsprechen dem strengen Lebensmittelrecht. Sie können unbedenklich gegessen werden", betont der Chef des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), Klaus Reingen.

Foodwatch berichtete weiter, dass zudem alle der getesteten Hasen sogenannte gesättigte Mineralöle (MOSH) enthielten, die sich in Organen anreichern können. Die Konzentrationen schwankten - von geringen Belastungen bis zu relativ hohen Werten bei zwei Discounter-Produkten.

Als Quelle für die Verunreinigung bei Schokolade gilt laut Foodwatch etwa der Transport von Kakao in belasteten Jutesäcken und der Kontakt mit ölenden Maschinen.

Auch von Druckfarben auf Kartons aus Altpapier könne eine Belastung ausgehen.

Angesichts verschiedener möglicher Ursachen verweist der BDSI auf die Verantwortung aller an der Lebensmittelkette Beteiligten: vom Anbau über den Rohstoffhandel bis hin zu Transportwesen, Verpackungs- und Druckfarbenindustrie.

Bislang keine gesetzlichen Grenzwerte

Foodwatch fordert nun erneut, dass umgehend Grenzwerte für Mineralöle in Lebensmitteln festgelegt werden. Für potenziell krebserregende aromatischen Mineralöle wird eine Null-Toleranz-Regel vorgeschlagen.

Bislang gibt es für solche Rückstände keine gesetzlichen Grenzwerte. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) plant eine Verordnung, die schon seit mehreren Jahren im Entwurf vorliegt.

Die Diskussion über die am besten geeigneten Regelungen zur "Problemlösung" dauere an, erklärte eine BMEL-Sprecherin auf Anfrage. "Weitere Prüfungen und Gespräche mit den betroffenen Kreisen sind erforderlich."

Nach Angaben der Deutschen Süßwarenindustrie wurden für den deutschen Markt zu Ostern 111 Millionen Schokohasen produziert. (dpa)

Topics
Schlagworte
Ernährung (3652)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »